Dies ist der zweite Teil von „Time to Detox“. Im ersten habe ich bereits ausführlich erzählt, weshalb sich gerade das Frühjahr für eine Reinigungskur anbietet, zum Beispiel, indem man fastet. Fasten hat viele Gesichter – vom Intervallfasten (bis zu 16 Stunden am Stück nichts essen) über einzelne Tage hin zu ganzen Kuren. Nicht für jeden ist das geeignet, deshalb sollte man sich vorher beraten lassen, welche Art von Fastenkur für den individuellen Konstitutionstyp geeignet ist.

Doch neben dem Verzicht auf Nahrung gibt es auch andere Detox-Arten: Zum Beispiel den Digital-Detox. Auch hier gibt es viel Potenzial, sich zu reinigen, für geistige Klarheit zu sorgen und sich mal wieder nur auf sich und den Moment zu fokussieren.

Medienkonsum ist wie Alkohol: Bei Abhängigkeit eine Sucht

Die meisten von uns leben in einer medialen Blase. Morgens geht der erste Griff zum Handy, das Radio wird angemacht, und auch auf dem Weg zur Arbeit hören wir Musik, Hörbücher oder scrollen uns durch Socia Media-Accounts und die ganzen Weiten des WWW. Während der Arbeit sitzen viele bis zu 8 Stunden täglich vor dem Bildschirm, unterbrochen von kurzen Pausen, in denen wir auf’s Handy starren. Auf dem Weg nach Hause haben wir wieder unser Smartphone zur Zerstreuung am Start. Um dann schließlich vor dem Fernseher zu landen und im wahrsten Sinne geistig abzuschalten. Und wenn man sich mit Freunden trifft, liegt auch da bei vielen oft das Smartphone auf dem Tisch – und sofort in die Hand genommen, wenn eine neue Nachricht aufploppt. Dieses Verhalten ist erwiesenermaßen eine Sucht. Auch ich habe viele Freunde, die Ihr Handy immer dabei haben müssen, es regelmäßig (auch ohne Grund) zur Hand nehmen und nervös werden, wenn sie es im Flur liegen haben.

Bis zu 12 Stunden Medienkonsum oder sogar mehr am Tag: Das soll der Durchschnitt sein. Beunruhigend, oder?! Wir sollen 50 Mal am Tag nach dem Smartphone greifen und lassen uns alle 20 Minuten durch Facebook, Whatsapp, Instagram, Nachrichten, Spiele und ähnliches ablenken, wie ein Artikel in der Zeit es beschreibt. https://www.zeit.de/kultur/2018-12/digital-detox-achtsamkeit-smartphone-nutzung-gehirn

Wer kann sich einen Urlaub ohne Wi-fi nicht mehr vorstellen? Und wer hat das letzte Mal einen Tag ohne PC, Laptop oder Tablett verbracht? Wer liest abends lieber ein Buch als seine Lieblingsserie weiterzuschauen? Hand aufs Herz: Die Wenigstens… Dieser exzessive Medienkonsum schadet uns – und vor allem Kindern und Jugendlichen. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt, Botschaften werden nur noch in kleinen Häppchen verarbeitet und lange Texte fesseln kaum noch. Unsere Konzentration leidet massiv. „Der wiederholte Griff zum Smartphone macht uns also unproduktiver, es setzt unsere Konzentration und Merkfähigkeit zurück. Wir fühlen uns ermattet und erschöpft. Im schlimmsten Fall werden wir depressiv.“, lässt sich in dem Zeit-Artikel lesen.

Digital Detox für den Geist

Zeit, abzuschalten. Aber so richtig. Während einer Fastenkur wird stets empfohlen, auch auf sämtliche Zerstreuungen zu verzichten. Das heißt, während man sein Reiswasser und seine Brühe trinkt, eben nicht die Zeit mit Binge-Watching und Musik zu verbringen, sondern wirklich mal offline sein. Wieder erleben, was Stille ist. Und sich nicht vor ihr fürchten, sondern sich mit und in ihr wohlfühlen. Mal wieder spüren, wie sich Langeweile anfühlt. Und sich auch davor nicht fürchten. Das haben viele von uns verlernt.

Wie dringend wir das brauchen beweist die Tatsache, dass es bereits Digital-Detox-Camps gibt! Weil Menschen es nicht schaffen, von allein auf Smartphone, Laptop & Co. zu verzichten. Auch ich habe täglich mit Medien zu tun, allein von Berufs wegen. Aber ich merke auch, wie anstrengend das sein kann, und mache manchmal bewusst den TV aus und suche mir dafür ein Buch, dass ich schon immer mal lesen wollte. Oder gehe einfach raus in die Natur und lasse mein Handy zuhause.

Digital Detox: So einfach geht’s

Man muss für einen Detox nicht immer gleich radikal sein – auch wenn eine Woche ohne Medien sicher nicht schadet. Aber die meisten von uns sind beruflich darauf angewiesen. Hier mal ein paar Anregungen, wie es in der Freizeit auch ohne Handy und Co. klappt.

  1. Ihr trefft euch mit Freunden? Lasst alle (wirklich ALLE) Handys im Flur oder zuhause. Und schenkt euch gegenseitig etwas, was unbezahlbar ist: die totale Anwesenheit und Aufmerksamkeit den jeweils Anderen gegenüber.
  2. Die achte Staffel Game of Thrones lockt. Aber wie wäre es mal mit einem guten Buch? Sucht euch etwas, was euch WIRKLICH interessiert, und nehmt nicht das, das ihr seit 5 Jahren auf dem Nachtisch liegen habt. Ob Schmonzette, Thriller oder Sachbuch: egal, Hauptsache gedruckt und fesselnd. Es können auch die alten Lucky Luke-Comics sein oder die Challenge, die Zeit wirklich von vorn bis hinten durchzulesen 🙂
  3. Schreibt mal wieder – und zwar keine E-Mail, sondern wirklich und wahrhaftig einen Brief oder eine Postkarte. Ich mache das ab und an und bekomme auch ab und an welche – und freue mich jedes Mal, mal nicht nur Werbung oder Rechnungen im Briefkasten zu haben 🙂
  4. Geht raus, macht einen Spaziergang – und lasst das Handy zuhause. Nicht jede Blume muss fotografiert werden, und der Schrittzähler explodiert nicht, wenn er mal nicht Schritt hält.
  5. Macht einen Handy-freien Tag in der Woche – und wenn das gut klappt, vielleicht auch mal ein Wochenende. Das befreit ungemein!
  6. Unterhaltet euch mal wieder! Du und dein Partner sitzt meistens abends vor dem Fernseher? Nehmt euch bewusst einen Abend, an dem ihr etwas ohne mediale Ablenkung tut. Gemeinsam kochen, ein Spiel spielen, dem anderen vorlesen, sich wirklich mal Raum geben zu reden.