Der Frühling ist die beste Zeit, um loszulassen. Alte Gewohnheiten, alte Gedanken, alte Muster zum Beispiel. Aber auch alles, was sich über Jahre oder zumindest die Wintermonate in unserem Körper angesammelt hat. Denn im Winter sind wir darauf gepolt, auf Nährung und Speicherung zu setzen, insbesondere im Januar und Februar. Hat schon mal jemand versucht, direkt nach Silvester seinen Diät-Vorsatz umzusetzen? Das kann schon mal in Frust ausarten, denn zu dieser Zeit sind wir gar nicht darauf ausgelegt, etwas von unseren kostbaren Winterdepots abzugeben 🙂 Ab März hingehen schaltet der Körper auf „Loslassen“. Und dabei können wir ihn hervorragend unterstützen.

Warum sollten wir Loslassen – und vor allem was?

Wir alle haben Schlacken (ich nenne sie der Einfachheit halber jetzt mal so: Was das genau ist und wie es entsteht ist ein eigenes Kapitel. Mehr dazu könnt ihr im Beitrag zu „Ama“ nachlesen) in unserem Körper, die uns, wenn wir zu große Depots davon angesammelt haben, krank machen. Wenn wir jung sind, verzeiht der Körper noch so einiges, und wir kommen mit nächtlichen Futterorgien, dem Familieneisbecher nur für uns, Fast-Food-Attacken und viel Alkohol noch ganz gut davon. Was wir nicht sehen, ist das, was diese Dinge in unserem Körper zurücklassen. Und das sammelt sich im Laufe der Jahre an und wird immer mehr.

Deshalb merkt eigentlich jeder von uns, dass er Dinge, mit denen er in den frühen 20ern noch gut durchkam (viel Essen, viel Alkohol, viel Ungesundes), nach und nach immer weniger verträgt. Nicht nur werden wir älter und unser Stoffwechsel damit träger, auch die „Müll“-Depots in unserem Körper werden größer. Wir entwickeln Unverträglichkeiten und Allergien, schleppen die Samstagssause bis in den Dienstag mit uns rum und können abends nach einem fetten Essen auf einmal nicht mehr so gut schlafen. Dafür muss man keine 60 sein, das merken viele bereits in den späten 20ern und den 30ern (das höre ich auch immer wieder im Freundeskreis).

Frühjahrsputz für Körper und Seele

Hier hilft nicht nur eine bewusstere Ernährung und ausreichend Bewegung, sondern vor allem auch ein Hausputz im Inneren 🙂 Und wenn man mit alten Gewohnheiten und Mustern aufräumt, ist dies meist auch ein Großreinemachen auf der mentalen Ebene. Perfekt! Denn auch auf geistiger Ebene haben wir eine Menge Müll angesammelt, denn wir uns mal genauer anschauen und gegebenenfalls aussortieren sollten.

Eine besonders wirkungsvolle Methode ist hier das Fasten. Es gibt viel, viele, viele Konzepte, wie man eine Fastenkur machen kann – natürlich auch in der Ayurveda. Der große Unterschied ist, dass Ayurveda nicht jedem eine radikale Fastenkur empfiehlt, vielmehr individuell auf die Konstitution und den Körper schaut. Fasten kostet viel Kraft und lässt den Körper von seinen Depots zehren. Wo also nicht viel ist, schadet man sich eher, als dass man sich etwas Gutes tut.

Strenge Fastenkuren sind nicht für jeden geeignet

Die gesundheitlich meist stabilen Kaphas, die gleichzeitig ein paar Pölsterchen verlieren möchten, können gut mal auf Nahrung verzichten – schaffen dies aber meist mental nicht so gut. Willenstarke Pittas haben damit zwar keine Probleme, neigen bei Nahrungsentzug aber zu Übersäuerung und sollten deshalb eher kein reines Fastenprogramm absolvieren. Brühen, leichte, pürierte Gemüsesuppen oder ähnlich sind hier das Mittel der Wahl. Und zuletzt ausgeprägte Vata-Konstitutionen sind viel zu zart, als dass man ihnen eine auszehrende Fastenkur zumuten würde – diese würden z.B. eher eine Khichari-Kur (Mungdal mit Basmatireis) machen. Vor einer strengen Fastenkur am besten immer erst seinen Arzt fragen, ob gesundheitlich etwas dagegen spricht.

Eine klassische Fastenkur dauert meist knapp eine Woche. Ein Einleitungstag, 1-3 Fastentage und bis zu 3 Aufbautage. Manchmal kommt noch ein Abführtag hinzu, was ich nur empfehlen kann, ebenso wie Einläufe, um den Darm gründlich von allen gelösten Giftstoffen zu reinigen und eine Rückvergiftung zu vermeiden. Was das ist? Wenn gelöste Giftstoffe in unserem Darm umherschwirren, kann es passieren, dass dieser die Giftstoffe re-absorbiert und sie somit in unseren Kreislauf gelangen. Das kann man durch regelmäßige Einläufe und ein kontrolliertes und sanftes Abführen am Ende der Kur vermeiden.

Die Aufbautage sind besonders wichtig, damit unsere empfindliche Verdauung langsam wieder in Gang gesetzt wird. Überfordern wir diese, ist der Kurerfolg dahin. Wenn unsre Verdauung nicht richtig funktioniert, werden wir direkt wieder Unverdautes oder schlecht Verdautes ansammeln und unsere „Müll“-Depots weiter befüllen. Das Folgende ist so wichtig, dass ich es einmal herausstellen muss:

Eine gute Verdauung ist der Schlüssel für Gesundheit

Zu erwähnen ist auch, dass unser Organismus mit der Entgiftung nicht sofort stoppt – der Prozess, einmal in Gang gesetzt, geht auch nach der Kur noch weiter. Deshalb sollten wir uns auch während der Aufbautage viel Ruhe gönnen und nach wie vor viel trinken.

Ich habe selbst grad eine Fastenwoche hinter mir und kann somit aus eigener Erfahrung sagen: So frisch habe ich mich lange nicht gefühlt. Und einige meiner langjährigen Beschwerden sind mit allem, was ich losgelassen habe, ebenfalls gegangen 🙂

Fastengetränke

Ich stelle hier mal ein paar typische Getränke vor, die während einer ayurvedischen Fastenkur so zum Einsatz kommen:

Abgekochtes warmes Wasser macht den Hauptanteil der Flüssigkeit aus.

Manda, das Reiswasser, ist die klassische „Fastenspeise“, welche durch ihre leichten und ausgleichenden Eigenschaften die intensivste Wirkung zur Entgiftung hat.

Zitronate ist eine Alternative zum Reiswasser: Es wird 1 Teil Zitronensaft mit 9 Teilen heißem Wasser und etwas Honig vermischt, und statt Reiswasser getrunken. Also 100ml Zitronensaft, 900ml Wasser und ein TL oder mehr Honig (Honig nicht in kochendes Wasser einrühren!).

Ingwerwasser am morgen: 2 Scheiben Ingwer in eine Kanne tun und mit kochendem Wasser aufgießen.

Kräutertees über den Tag verteilt oder am Nachmittag getrunken.

Verdünnte Fruchtsäfte frisch gepresst und mit Wasser verdünnt – roter Traubensaft ist ideal.

Ihr seid motiviert, aber wollt keine ganze Kur machen? Dann startet doch mal mit einem Suppentag in der Woche oder fangt mit Intervallfasten an: 16 Stunden nichts essen, 8 Stunden essen (Pitta eher 12-14 Stunden nichts essen und 12-10 Stunden essen). Ich verspreche Euch:
Es lohnt sich 🙂