Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Ich gehöre eindeutig zu den Knoblauch-Liebhabern 🙂 Schon als Kind bin ich neben Senfeiern und Spaghetti Bolognese mit der Alete Tandoori Special-Edition aufgewachsen, da mein Vater abends oft noch indisch gekocht hat. Und da gehörte in fast jedes Gericht eine Menge Knoblauch und Zwiebeln. Wie übrigens auch in die Bolo 😉

Was mir damals nicht bewusst war: Jedes Lebensmittel hat eine (Heil-)Wirkung auf unseren Körper, so natürlich auch der Knoblauch. Er wird als schmerzstillendes, stärkendes, antibakterielles Tonikum eingesetzt, zum Beispiel bei Entzündungen und Infektionen. Unter ayurvedischen Therapeuten ist er nicht unumstritten. Ich habe schon Ayurveda Lehrer gehabt, die komplett auf Knoblauch und auch Zwiebeln verzichten, weil diese Tamas fördern bzw. nicht der sattvischen Lebensweise entsprechen.

Jetzt die große Frage: Was ist das? Wen es interessiert, der lese den ausführlicheren, spannenden Beitrag von Kerstin Rosenberg

https://www.rosenberg-ayurveda.de/fileadmin/user_upload/PDFs/Artikel/NahrungGeist_YJ_Mai13_kl.pdf.

Ich verwende im Folgenden Auszüge daraus Artikel (rot), um Euch den Zusammenhang von Heil-/Lebensmitteln und Psyche deutlich zu machen.

Die Gunas: Sattva, Rajas und Tamas

Unserer mentalen Konstitution werden Eigenschaften zugeordnet, die Sattva, Rajas und Tamas genannt werden. TAMAS herrscht während des Schlafes und beschreibt einen Geisteszustand, der von Trägheit und Unbewusstheit geprägt ist. RAJAS herrscht tagsüber und wird durch Aktivität und Stimulation bestimmt. SATTVA ist die Balance von Tamas und Rajas: ein ausgeglichener, kontrollierter Geisteszustand, in dem Bewusstheit, Intelligenz und ethische Werte vorherrschen.

Sattva 

Moralische Stärke, Mitgefühl, Freundlichkeit, Geduld, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Wahrhaftigkeit, Reinheit, Anpassungsfähigkeit, Zufriedenheit und mehr.

Rajas

Ungeduld, viele Wünsche und Begehrlichkeiten, Unzufriedenheit, Leidenschaft, Habgier, Trauer, Intoleranz, Eifersucht, Ängstlichkeit, Neigung zu Aggression, Pessimismus, Kritiksucht, großes Ego, starkes Verlangen nach Attraktionen und Ablenkungen.

Tamas

Ignoranz , Trägheit, wenig Temperament, Gier nach Primitivem, ausgeprägte Energielosigkeit und depressive Tendenzen, schwach ausgeprägte Intelligenz, Gedächtnisstörungen.

Was fördert Tamas?

Dazu gehören nicht nur offensichtliche Dinge wie verdorbene Lebensmittel, Fastfood, Konserven, Mikrowellengerichte, Tiefkühlkost, Alkohol, Nikotin, Drogen, weißer Zucker und weißes Mehl, sondern auch Weizen, Roggen, Hartkäse wie Parmesan, Hefeprodukte, Rind- und Schweinefleisch, Eier und sogar Wassermelonen, Bananen, Kürbis, Kartoffeln, Avocados, Pilze, Trüffel, Zwiebeln und: Knoblauch.

Das heißt NICHT, dass man diese Lebensmittel alle nicht mehr essen darf :-)! Es ist nur ein Zusammenhang herzustellen zwischen dem starken oder sogar ausschließlich Verzehr dieser Dinge und einem tamasischen, also eher trägen, depressiven und (selbst-)zerstörerischen Geisteszustand. Insbesondere Fertiggerichte, viel Zucker, Süßigkeiten und Weißmehl, viel Fleisch und natürlich Drogen, Alkohol, Kaffee wirken sich nicht nur negativ auf unsere Psyche, sondern natürlich auch auf den physischen Körper aus. Ich glaube nicht, dass jemand schon mal unter Knoblauch-Depressionen litt, oder nach dem langjährigen Verzehr von zuviel Zwiebeln eine Bank überfallen hat 😉 Doch natürlich macht es auch hier die Balance, die irgendwann von „Heilmittel“ zu „Krankmacher“ kippt.

Sattvische Ernährung: Gut für Körper und Geist

Deshalb: Auch wenn man kein Asket werden muss oder wie ein Yogi leben möchte, kann die sattvische Ernährung eine wertvolle Unterstützung sein, wenn wir mental nicht gut drauf sind. Kerstin Rosenberg sagt: „Die reine Ernährung befreit von psychischen Schlacken und bringt unterdrückte Gefühle an die Oberfläche. Gerade depressive oder traumatisierte Menschen sind oft mit „geistigem Ama” belastet. Eine sattvische Ernährung kann dabei helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen und sich von Ängsten, Aggressionen und negativen Emotionen zu befreien.“

„Mit der richtigen Ernährung erfährt man eine neue Lebendigkeit und Klarheit, die Kraft geben kann, alte Persönlichkeitsmuster abzulegen und ein neues Selbstbild zu erschaffen.“ Kerstin Rosenberg

Als besonders sattvische Lebensmittel gelten zum Beispiel Milch, Ghee, Honig, Mandeln, Mungbohnen, Reis, gekochtes Gemüse und Getreide, frische Gemüsesäfte sowie süßes Obst wie Mangos, Granatäpfel, Amlas, Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Weintrauben, Birnen, Datteln, Feigen, Rosinen, Kokosnuss und Pfirsiche. All diese Lebensmittel sind sehr nährstoffreich, gewebeaufbauend und richtig zubereitet auch besonders gut verdaulich. Sie schenken uns auf geistiger und körperlicher Ebene (Lebens-)Energie, nähren uns also fein- UND grobstofflich. Im Ayurveda sagt man dazu: sie bilden Ojas, also unsere Lebenskraft – die Essenz aller Gewebe.

Knoblauch – ja oder nein?

Um noch einmal die Brücke zu schlagen zwischen Knoblauch und Tamas bzw. einer negativen Wirkung auf unsere Psyche, hier ein Zitat von Prof. Dr. Martin Mittwede, Indologe und Religionswissenschaftler sowie Studienleiter des Fachbereichs „Master of Science in Ayurveda-Medizin“ an der Europäischen Akademie für Ayurveda. „Das komplexe System Mensch kennt keine Eins-zu-Eins-Gleichung, die sagt: Ich habe Zwiebeln gegessen und nun ist mein Sattva gestört“, sagt Prof. Dr. Mittwede, „Wenn zum Beispiel eine Substanz wie Knoblauch, die nicht zu Sattva gerechnet wird, heilsam eingesetzt wird, sorgt sie mittelfristig für mehr Sattva, da die erzielte Heilung einen starken balancierenden Sattva-Impuls setzt.“

Für mich ein eindeutiges JA zu Knoblauch – thank god 😀

Knoblauch und Ayurveda

Besonders wichtig bei der Wirkung von Lebensmitteln sind das Vipaka, die Wirkung nach der Verdauung auf den Körper, und das Virya, die thermische Potenz. Diese sind beim Knoblauch scharf und erhitzend. Damit ist Knoblauch Kapha und Vata beruhigend, also vermindernd, und Pitta vermehrend.

Was heißt das? Die erhitzende Wirkung von Knoblauch (und bei allen erhitzenden Lebensmitteln) bewirkt Folgendes: Unser katabolischer Stoffwechsel wird angeregt und Energie freigesetzt, die Verdauung wird angekurbelt, die Enzym- und Hormonbildung angeregt und der Abbau von Körpergewebe und Substanz gefördert.

Knoblauch und seine Wirkungen

Knoblauch hat viele positive Eigenschaften, und damit ist nicht der Schutz vor Vampiren gemeint: besonders bekannt sein dürfte seine positive Wirkung auf Blut, Herz und Gefäße. Doch nicht umsonst wurde er schon früh als „das Antibiotikum des Altertums“ bezeichnet. Mit seiner stark antibakteriellen Wirkung desinfiziert er unseren Darm und wirkt gegen alle unerwünschten Gäste wie Bakterien, Würmer und Pilze. Durch die keimtötenden Eigenschaften kann Knoblauch gegen Mikroorganismen und Parasiten beseitigen, ohne unsere guten Darmbakterien zu schädigen. Auch bei Blähungen und schmerzhaften Krämpfen soll er helfen, sowie auch bei zu hohem Blutdruck (er ist ein natürlicher Blutverdünner ohne Nebenwirkungen) oder zu hohen Cholesterinwerten, wo Knoblauch auch therapeutisch eingesetzt wird.

Er fängt außerdem freie Radikale und schützt so unsere Zellen und unser Gewebe, und hilft so dabei, dass wir knackig und frisch bleiben. Last but not least wird Knoblauch in der Krebsprävention und –therapie eingesetzt – darauf einzugehen führt hier aber zu weit.

 Wirkstoff Allicin: Die gesundheitliche Wirkung hat der Knoblauch größtenteils der Schwefelverbindung Allicin zu verdanken, die ihm auch seinen unverkennbaren Geruch verleiht. Allicin entsteht bei der Verarbeitung der Zehen, also durch Schälen, Schneiden und Hacken.

Aktuell kommt jeden Tag eine Zehe in meinen frisch gepressten Saft, und natürlich ab und an ins Essen. Meine Kollegen haben mir bestätigt, dass man es olfaktorisch trotzdem noch mit mir in einem Büro aushält 😀

Hinweis: Wie immer gilt: Nicht alles ist für alle geeignet oder nötig. Aus ayurvedischer Sicht beispielsweise: Wer unter einem zu hohen Pitta leidet, sollte mit Knoblauch vorsichtig sein, da es das Pitta weiter erhöht. Lasst Euch individuell von eurem Arzt oder Heilpraktiker beraten, ob es für euch Sinn macht oder nicht. 

Einnahme: Wie wirkt Knoblauch am besten?

Die einen sagen, frisch muss er sein, die anderen sagen, Dragees, Tabletten oder Kapseln mit dem getrockneten Pulver gehen auch. Ich denke: Meist ist die frische Variante auch die Wirkungsvollste, denn das Allicin soll eine sehr instabile Verbindung sein, die durch die Verarbeitung leicht vermindert oder sogar komplett zerstört werden kann. Deshalb, wenn therapeutisch eingesetzt, den Knoblauch erst am Ende des Essens mitköcheln lassen.

Verzehrempfehlung

Pro Tag eine Zehe frischer Knoblauch. Mit Öl eingenommen soll die Wirkung noch verstärkt werden. Grundsätzlich gilt: Je frischer und saftiger, desto besser.

Und was tun gegen den Geruch? Sternekoch Alfons Schuhbeck behauptet, Ingwer hilft 🙂

Knoblauch richtig lagern

Kühl und trocken aufbewahren, im Sommer am besten im Gemüsefach des Kühlschranks.


Die hier enthaltenen Erläuterungen, Anwendungen und Rezepte dienen nur zur Information und ersetzen nicht die Anweisungen oder den Besuch eines Arztes oder eines Heilpraktikers. Auch das Einnehmen von Kräutern und Gewürzen kann möglicherweise schädliche Nebenwirkungen verursachen. Niemals dauerhaft und vermehrt ohne Absprache mit dem Arzt oder Heilpraktiker einnehmen.