„Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah“

Eigentlich mag ich den heutzutage inflatorisch verwendeten Begriff „Superfoods“ nicht. Oft wird er aus reinen Marketingzwecken genutzt, um ein Nahrungsmittel anzupreisen, das (nicht immer bewiesenermaßen) gesundheitsfördernde Eigenschaften haben soll. Dennoch gibt es Einiges, was diese Bezeichnung verdient – und das muss nicht immer aus Südamerika oder Asien stammen, teuer und schwer zu bekommen sein. Unsere heimischen Gefilde haben eine Menge zu bieten, was das betrifft – Sprossen zum Beispiel. Einfach verfügbar, günstig und mit einem guten Kern 🙂

Harte Schale, weicher Kern

Viele Sprossen bekommt ihr in den meisten Bioläden – sie lassen sich aber auch ganz einfach selber ziehen. Das ist günstiger, bequemer und ihr wisst, wo sie herkommen. Nämlich von euch 😉 Einzige Bedingung ist natürlich, dass ihr beim Saatgut auf gute Qualität achtet. Ich verwende hierfür Sprossengläser, aber es gibt auch andere Behältnisse, in denen sich Sprossen einfach selber ziehen lassen.

Warum nun gerade Sprossen und nicht einfach die Samen/Bohnen/Kerne essen?
Während der Keimung steigt der Vitalstoffgehalt des Saatguts um ein Vielfaches
an und es wird eine höhere Bioverfügbarkeit erreicht, das heißt euer Körper kann die guten Stoffe schneller und in höherem Umfang aufnehmen und verwerten. Sprossen sind zudem immer basisch, hinterlassen bei der Verdauung also keine sauren Stoffwechselrückstände, welche in der Ayurveda als AMA (Giftstoffe/Schlacken) bezeichnet werden und als  Hauptverursacher von Krankheiten gelten. Generell geht die Ayurveda davon aus, dass mindestens 60% aller Krankheiten durch falsche oder schlechte Ernährung(sgwohnheiten) verursacht werden.

Sprossen könnt ihr auf vielerlei Art essen, je nach Geschmack: manche sind herber, nussiger, manche wie Kresse eher scharf, manche süßlich. Streut sie über Salate und Suppen, gebt sie ins Müsli oder den Getreidebrei, in den Smoothie oder snackt sie pur. Nicht kochen, da dadurch wieder viele der guten Nährstoffe verloren gehen!

Warum es sich lohnt, regelmäßig Sprossen in die Nahrung zu integrieren, hab ich hier für euch mal kurz und knackig wie die Sprossen selbst zusammengefasst. Die Angaben haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit. Aber wer selber mal in das Thema einsteigt wird schnell merken: Da ist nicht einfach nur was dran, sondern ganz viel drin 🙂

Buchweizen

Schmeckt wie Getreide – is aber keins, und somit glutenfrei. Außerdem ist Buchweizen basisch und vor allem reich an hochwertigen Nähr- und Vitalstoffen wie alle wichtigen Aminosäuren, Eisen, Magnesium, Zink, Mangan, Selen, Lecithin, Bioflavonoide, Coenzym Q10, alle B-Vitamine außer B12, wertvolles Pflanzeneiweiß und mehr.

Buchweizen soll bei Diabetes, Krampfadern und Bluthochdruck helfen, den Blutzuckerspiegel senken, den Cholesterinspiegel regulieren und die Leber schützen. Insbesondere die Buchweizenkeimlinge (also Sprossen) sind reich an lebendigen Enzymen, Vitalstoffen, hochwertigen Mineralien und leicht verdaulichen Proteinen.

Kresse

In der Ayurveda wird Kresse schon seit Jahrtausenden eingesetzt, zum Beispiel bei Durchfall und Muskelschmerzen. Kresse enthält sehr viel Eisen, Calcium, Vitamin A und Vitamin C, Folsäure und Eiweiß.

Sie soll gut bei Verdauungsbeschwerden und Hautproblemen helfen und wirkt entwässernd/harntreibend und somit durch die gut durchgespülten Nieren auch entgiftend.  Bei Erkältungen wirkt sie schleimlösend, entzündungshemmend und weitet die Bronchien. Gekaute Kressesamen sollen bei Halsschmerzen, Husten und Asthmasymptomen helfen.*

Mungbohnen

Nicht heimisch, aber hier erhältlich, deshalb hab ich die Mungbohnensprossen aufgrund ihrer beeindruckenden Inhaltsstoffe in diesen kleinen Überblick mit aufgenommen. Mungbohnensprossen sind ballaststoff- und proteinreich und enthalten unter anderem viele Vitamine wie A, B1, B2, Niacin, Folsäure, B12, C und E sowie die Mineralstoffe Phosphor, Kalium, Eisen, Kalzium, Magnesium – und dabei sind sie fast fettfrei.

Der hohe Vitalstoffgehalt der Mungbohnen nimmt auch hier während der Keimung noch deutlich zu. Mungbohnen sollen helfen, Entzündungen zu heilen,  Cholesterin und Blutfettwerte senken, Energie spenden und durch die vielen Ballaststoffe verdauungsfördernd sein. Ein weiterer Vorteil: Im Gegensatz zu heimischen Hülsenfrüchten bläht sie nicht und ist leicht verdaulich!

„Während der Wandlung von Samen zu Sprosse verändern sich die Inhaltsstoffe: Der Flüssigkeitsgehalt nimmt stark zu und steigt von 10% auf fast 89%, und die enthaltenen Proteine wandeln sind in anteilig essenzielle Aminosäuren um. Eine Tasse Mungosprossen enthält in etwa soviel Vitamin A wie eine Limone, Vitamin B1 wie eine Avocado, Vitamin B2 wie ein Apfel und Vitamin C wie eine Ananas. Auch der Cholingehalt wächst innerhalb von nur vier Tagen um fast 20% an.“**

Alfalfa (Luzerne)

Auch wahre Vitalstoff-Kraftpakete, dank eines hohen Gehalts an Mineralstoffen wie Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium und Zink und auch Phosphor, Aluminium, Silizium, Schwefel, Natriumcarbonat und Kobalt. Neben allen acht essenziellen Aminosäuren sind auch massig Vitamine in den Sprossen zu finden, von A über B1, B2, Niacin, B12, C, D, E, K, P bis zu U (von dem ich nicht wusste, dass es das gibt ;)). Und als wäre das nicht genug, verfügen Alfalfasprossen noch über einen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, Antioxidantien und Chlorophyll.

Die Liste der ihnen nachgesagten Heilwirkungen ist lang, ich nenne hier nur ein paar: abschwellend, blutstillend, cholesterinsenkend, entgiftend, entzündungshemmend, hautpflegend, bei Wechseljahrsbeschwerden. Und vieles mehr.

Kann man super roh essen oder in Suppen oder Salat tun. Im Gegensatz zu Kresse haben sie keinen scharfen Eigengeschmack.

Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah

Und, überzeugt? Ich war es auf jeden Fall, und esse Sprossen zwar nicht täglich, aber regelmäßig  – mal die einen, mal die anderen.

Probiert es einfach aus, wenn das etwas für euch ist: der Zeit- und Geldaufwand ist gering und ihr habt einfach und schnell ein paar wirkliche Superfoods an der Hand. Bin gespannt, was ihr berichtet 🙂

*https://www.zentrum-der-gesundheit.de/kresse.html
**https://gesund.co.at/mungobohnensprossen-keime-sprossen-30810/