Ayurveda ist eine unheimlich komplexe Wissenschaft. Kein Wunder, dass es genau wie bei der westlichen Medizin oder der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) eines jahrelangen Studiums und viel praktischer Erfahrung bedarf, um als ayurvedischer Arzt praktizieren zu können. Ernährung ist dabei nur ein Teil des Gesamtkonzepts, mit der man aber schon eine Menge positiver Effekte erzielen kann: Das Immunsystem und die Organe stärken, die Verdauung regulieren, die Blutwerte verbessern, Zucker- und Cholesterinspiegel verbessern und den Energiepegel heben, um nur einige zu nennen.

Dennoch: Wunder mag es immer wieder geben, aber die Regel sind sie nicht. Wer sich also strikt ayurvedisch ernährt, dabei aber unter Dauerstress steht, zu wenig schläft und sich nicht bewegt, wird dies irgendwann auf der körperlichen oder seelischen Ebene zu spüren bekommen. So kann man sich auch die potentesten Kräutertränke und Superpillen dieser Erde einschmeißen: Wer sich gleichzeitig täglich einen XL-Burger mit extra Pommes rot-weiß gönnt und den Abend gern mit Bier und Chips ausklingen lässt, wird sich nicht besser fühlen. Cheat-Days gehen auf jeden Fall klar. Cheat-Years… not so much.

Balance ist hier wie immer das Zauberwort. Sündige mit Genuss beim Essen – iss dafür einfach abends mal nur ein leckeres Süppchen. Gönn dir ein Wochenende auf der Couch – aber fahr dafür mit dem Rad zur Arbeit. Was auch immer du tust – sorg für den Ausgleich. In allem.

Was hat das mit Ayurveda zu tun? Im Prinzip alles. Denn auch hier geht es um ein Leben in Balance, ums Ausgleichen.

Nach der ayurvedischen Lehre bestehen wir alle aus den drei sogenannten Bioenergien, auch Doshas genannt: Vata, Pitta und Kapha. Jeder von uns vereint diese Energien in seinem Körper, zu unterschiedlichen Anteilen. Sind diese Energien perfekt ausbalanciert, geht es dir gut und du bist gesund. Das kannst du mit verschiedenen Maßnahmen erreichen, angefangen mit deiner Ernährung – bämm!

Vata, Pitta, Kapha – was ist das?

In aller Kürze – dies ist nur eine grobe und nicht vollständige Einteilung, um das Konzept verständlich zu machen:

Vata – das primäre Luftelement mit den Eigenschaften kalt und trocken.
Wer einen hohen Vata-Anteil in sich hat, ist meist ein quirliger, schlanker sehr großer oder sehr kleiner Typ. Meist kalte Hände und Füße gehören zum Vata-dominierten Typ wie die eher trockene Haut. Er ist immer auf dem Sprung, spontan, begeisterungsfähig, kreativ – heute hier, morgen da. Aber oft auch sensibel, nicht belastbar und dünnhäutig. Nerven und Verdauung (Verstopfung) sind typische Schwachstellen. Durch die ständige mentale und körperliche Bewegung verbraucht er viel Energie. Das macht ihn anfällig für Krankheiten. Rund 60% aller Krankheiten sind Vata-basiert. Vata-Menschen brauchen Erdung, Ruhe und Stabilität als Ausgleich sowie Wärme, Geborgenheit und Rückzugsmöglichkeiten. Nährende, warme und vor allem regelmäßige Mahlzeiten: yes – trockene, kalte, rohe Mahlzeiten: no.

Pitta – das primäre Feuerelement mit den Eigenschaften heiß und trocken.
Wer einen hohen Pitta-Anteil in sich hat, ist meist dynamischer, hitzköpfiger, selbstbewusster, organisierter und leidenschaftlicher Typ. Das innere Feuer macht sich in vielem bemerkbar: Dem inneren Antrieb, dem Ehrgeiz, der Begeisterungsfähigkeit, einer guten Verbrennung sprich Verdauung und einer Neigung zu Röte – ob Haut, Augen oder Organe. Die Pittas sind Kopfmenschen, die Struktur und Logik brauchen, viel Bewegung und viel Lob. Kritik und Stress macht sie ärgerlich, aggressiv und gereizt. Wenn sie richtig wütend werden: Lauft! Dabei haben Sie aber auch eine Menge Feuer im Herzen, das heiß und leidenschaftlich für alle brennt, die sie lieben. Pitta-Schwachstellen sind Übersäuerung in jeglicher Form, Stoffwechselprobleme und Entzündungen – Rauchen und Alkohol ist für dieses Dosha besonders schädlich. Flüssige, frische und regelmäßige Mahlzeiten: yes – fettige, scharfe, saure, salzige Mahlzeiten: no.

Kapha – das primäre Wasserelement mit den Eigenschaften kühl und feucht.
Wer einen hohen Kapha-Anteil in sich hat, ist ein Fels in der Brandung. Ausgeglichen, ruhig, gemütlich, geduldig, freundlich, loyal und harmonieliebend. Ihm fehlt dafür ein wenig das feurige, leichte, weshalb er ungern aus seinen Gewohnheiten ausbricht, sich schwer an Neues gewöhnt, dafür aber auch loyal und absolut verlässlich ist. Er trifft keine überhasteten Entscheidungen und mag Routine. Konflikte, Hektik und Stress meidet er. Er neigt zu Antriebslosigkeit, Habgier, Geiz und Neid und fühlt sich schnell als Opfer. Kaphas sollten auf genug Bewegung achten, nicht zuviel schlafen und sich generell regelmäßig in Schwung bringen. Auch wenn die Kaphas generell als das stabilste Dosha gelten, neigen sie zu Verschleimungen, Schwellungen, Fettleibigkeit, Ödeme und Atemwegserkrankungen. Warme, leichte, trockene und scharfe Mahlzeiten: yes – fettige, süße, kalte, reichhaltige Mahlzeiten: no.

Die drei Doshas

Vata – Elemente Äther und Luft

Pitta – Elemente Feuer und Wasser

Kapha – Elemente Wasser und Erde

Die fünf Grundelemente

Äther – Luft – Feuer – Wasser – Erde

Unsere Grundkonstitution

Die Anteile der Doshas in uns bestimmen unsere Grundkonstitution (unsere Ur-Natur), und die ist von Geburt an festgelegt. Das Gute: Es gibt keine bessere oder schlechtere Ur-Natur – wir sind, wie wir sind, und in jedem von uns stecken positive und negative Eigenschaften.

Ist eines der drei Doshas sehr dominant, gibt dieses unsere Grundkonstitution vor. Dann gehören wir zu den Primär-Typen. Die Primär-Typen sind entsprechend Vata, Pitta oder Kapha.

Die meisten von uns sind jedoch Misch-Typen, sprich Vata-Pitta/Pitta-Vata, Vata-Kapha/Kapha-Vata oder Pitta-Kapha/Kapha-Pitta. Als erstes wird das Dosha genannt, welches den größten Anteil bei uns ausmacht.

In seltenen Ausnahmen kommt es vor, dass alle Doshas zu gleichen Anteilen vorhanden sind. Das sind die sogenannten Tri-Dosha-Typen.

Hast du deine Grundkonstitution herausgefunden, kann man relativ einfach feststellen, ob es Dysbalancen gibt. Diese können leicht oder schwerwiegend sein, was sich meist sichtbar oder spürbar auf körperlicher oder geistiger Ebene bemerkbar macht.

Doshas im Gleichgewicht? Finde es heraus

Welcher Typ du bist, kannst du relativ einfach feststellen, es gibt unzählige Dosha-Test-Seiten im Internet. Ein guter Test beinhaltet Fragen zu Körper, Psyche, Verhalten und Emotionen. Natürlich hat ein geschulter Ayurveda-Arzt noch ganz andere Methoden, aber die Tests lassen grob eine korrekte Einschätzung zu.

Normalerweise dürften sich die Ergebnisse nicht stark unterscheiden. Insbesondere was die äußeren Merkmale betrifft gibt es wenig Spielraum bei den Fragen. Manche sind jedoch wirklich schlecht übersetzt, da meist aus dem Englischen kommend, oder auch einfach zu kurz. Wenn du dir nicht sicher bist, nimm einen anderen.

Mach den Text zweimal. Beim ersten Durchgang denkst du an deinen letzten, besten War-Zustand, an den du dich erinnern kannst – das kann Monate oder auch Jahrzehnte zurückliegen. Ein Zustand, in dem du dich so richtig gut, ausgeglichen und gesund gefühlt hast.

Beim zweiten Durchgang beantwortest du alle Fragen basierend auf deinem aktuellen Ist-Zustand. Vergleichst du deine Ergebnisse wirst du sehen, welches Dosha bei dir aktuell nicht in Balance ist. Dieses muss ausgeglichen werden – zum Beispiel mit der richtigen Ernährung. Womit wir beim Anfang wären 🙂