Im ersten Teil habe ich bereits einiges zur Macht der Gewohnheiten geschrieben und das es für mich zwei Einsichten gibt, die helfen, Gewohnheiten, die wir verinnerlicht haben, die aber nicht gut für uns sind, in etwas Neues, Schönes, Gewohntes zu kanalisieren. 

Einsicht Nummer 1: Eine Umstellung ist eine Frage der Einstellung – sind wir offen und sehen es als Gewinn an, von neuen Zutaten, Ritualen, Gewohnheiten und einfach MÖGLICHKEITEN, dann ist gar nicht schwer. In dem Moment, wo wir uns etwas verbieten, das Gefühl haben, etwas aufgeben zu müssen, zu verlieren, bekommt es auf einmal eine unnötige Schwere. Also: Einfach mal das Mindset umdrehen 🙂

Einsicht Nummer 2: Beschäftigt euch damit, WARUM es Sinn macht, etwas zu ändern. Warum ist etwas gut oder nicht gut für mich und meinen Körper. Und was kann es für Auswirkungen haben, wenn ich so weiter mache wie bisher.

Zu Zucker und Alkohol habe ich bereits im ersten Teil etwas geschrieben, heute teile ich mit euch meine Gedanken zu Fleisch, Milchprodukten und Weizen.

Fleisch

Puh, ein schwieriges Thema, wie ich auch im Freundes- und Kollegenkreis immer wieder merke. Ich will niemanden bekehren. Ich gehe auch mit Freunden in ein Steakrestaurant, wenn sie das möchten, und bestelle mir da dann was nach meinem Gusto – jeder wie er mag. Aber es gibt viele gute Gründe, seinen Fleischkonsum zu reduzieren oder sogar ganz darauf zu verzichten.

Angefangen bei ethischen Gründen, Stichwort „Massentierhaltung und Tierquälerei“. Wenn ich ein Angebot sehe wie: Jetzt bei Lidl Schweinekottelets das Kilo für nur 2,59€ könnte ich (pardon my words) kotzen. Dass die armen Viecher ein furchtbares Leben hatten und nicht tot gestreichelt wurden, ist wohl jedem halbwegs intelligenten Menschen klar. Dass diese Tiere Stress- und Angsthormone gespeichert haben, die wir mitessen, ist auch bekannt. Auch macht es schon aus rein ökonomischen und ökologischen Gründen Sinn, kein Fleisch zu essen: Für ein Pfund Fleisch werden 100 Pfund Getreide benötigt – Getreide, das Menschen auf dieser Welt vor dem Verhungern retten könnte. Wälder werden für Rinderherden abgeholzt und das Grundwasser wird durch den Dung und was an Schadstoffen darin enthalten ist kontaminiert. Zudem produzieren Rinder massiv Methangas – und das schlechte Futter sowie Medikamente sorgen dafür, dass es noch mehr werden könnte. Das wiederum wird, so von Forschern und Wissenschaftler prognostiziert, den Klimakollaps beschleunigen – denn es wird angenommen, dass der Fleischkonsum und damit die Rinderhaltung weiter zunehmen wird. „Klimakiller Kuh“ ist kein Witz.

Und schließlich ist es auch ernährungsphysiologisch sinnvoll, wenig und wenn nur Fleisch aus artgerechter Haltung zu essen. Nicht nur nehmen wir mit dem Fleisch unzählige Medikamente und Hormone zu uns, mit denen die Tiere vollgepumpt wurden, sondern wir überfordern durch zuviel Fleischkonsum auch unseren Organismus. Tierisches Eiweiß ist sehr schwer verdaulich, der Körper produziert bei der Verstoffwechslung Säure (die wiederum unserem Körper schadet) und nicht nur unsere Bauchspeicheldrüse, ein überaus wichtiges Organ, schiebt Überstunden. Auch wird immer wieder gewarnt, dass ein zu hoher Fleischverzehr (vor allem rotes wie Schwein, Rind, Lamm oder Ziege) das Krebsrisiko erhöht.

Bei Fisch ist es ähnlich, wobei der je nach Art viele wertvolle Nährstoffe enthalten kann. Aber wer kauft schon ständig Wildlachs aus Norwegen. Und auch hier machen Wasserverschmutzung, Überfischung der Meere und Züchtung (die sogenannte Fischmassentierhaltung) den Genuss teilweise bedenklich.

Jeder muss und darf selbst entscheiden, wie er leben will. Ich habe meine Entscheidung aus denen hier genannten Gründen für mich getroffen 🙂

Milchprodukte

Ebenfalls ein stark umstrittenes Thema. Auch hier spielt Ethik und Tierhaltung ein großes Thema. Aber auch die Tatsache, dass Milch nicht mehr Milch. Wer einmal frisch gemolkene Milch getrunken hat, aber sonst immer die pasteurisierte, homogenisierte und lang haltbar gemachte Variante aus dem Supermarkt konsumiert, wird merken: da liegen Welten zwischen. Und nicht nur beim Geschmack, auch bei den Inhaltsstoffen. Die Kühe produzieren wie am Fließband, stehen nicht den ganzen Tag bei frischer Luft auf Heublumenwiesen und knabbern an Wildkräutern, sondern bekommen stattdessen Antibiotika gegen die häufigen Euterentzündungen. Lecker? Geht so. Gesund? Das möchte ich bezweifeln. Alle Milchprodukte werden von uns sauer verstoffwechselt und sind somit in Massen konsumiert schlecht für unseren Körper.

In der Ayurveda wird Milch und auch Ghee (geklärte Butter) als Nahrungs- und Heilmittel betrachtet. Die beiden nährendsten, das Gewebe aufbauenden Nahrungsmittel, die es im Ayurveda gibt. Ausgehend von der Qualität, die die Milch vor Jahrtausenden von Jahren hatte. Und nicht die der Supermarktmilch aus dem Tetrapak. Auch hier habe ich viel dazu gelernt und integriere ab und an therapeutisch gute, hochwertige Milch und Ghee in meine Ernährung, wenn es angezeigt ist, auch wenn ich ansonsten vegan esse. Ich sehe beides einfach als ein Heilmittel mit starker Wirkkraft, das in bestimmten Situationen nur schwer zu substituieren ist.

Die Tetrapak-Milch ist wiederum ein anderer Schnack. Nicht umsonst vertragen viele Menschen heute keine Milchprodukte mehr: Laktoseintoleranz mag teilweise Hysterie sein, kann aber oft auch tatsächlich nachgewiesen werden. Und wenn man nach jedem Joghurt Durchfall bekommt, braucht man nicht mal einen Test. Ich habe nie gut Fett vertragen und auch viele Milchprodukte nicht. Geschmacklich fiel es mir zwar erst schwer, darauf zu verzichten, aber, was soll ich sagen: Auch das hat sich nach wenigen Wochen gelegt. Und wenn ich zu besonderen Anlässen oder bei Einladungen doch mal Käse serviert bekomme und Lust darauf habe, dann essen ich ihn. Und vertrage ihn wesentlich besser als früher, weil meine Verdauung viel stärker ist und kleine Genussmomente wieder ausgleichen kann. Auch hier macht’s wie so oft die Dosis 🙂

Weizen: Eine Frage der Nährstoffe

Wer jetzt fragt: Und warum kochst du primär glutenfrei? Ja, auch da scheiden sich die Geister. Ich glaube nicht, dass es jemandem schadet, wenn er moderat hochwertige Weizenprodukte isst – außer er hat wirklich eine Glutenunverträglichkeit. Doch grad feines Weizenmehl, wie es hierzulande in den meisten Fertigprodukten und gängigen Rezepten enthalten ist, enthält so gut wie keine Nährstoffe. Und auch hier wird oft über den Zusammenhang zwischen Weizen und Allergien, Hautkrankheiten und mehr spekuliert. Deshalb habe ich mich entschieden, primär mit anderem Getreide zu backen und zu kochen. Und es gibt so viel tolle Alternativen, die nicht nur Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Proteine enthalten, sondern auch noch verdammt lecker schmecken.

Hör auf deinen Bauch – nicht auf deine Gewohnheiten

Mit Abstand stelle ich fest, dass ich vieles von dem, was ich aus Gewohnheit und weil ich es kannte mochte, eigentlich gar nicht vertragen habe. Und dazu gehörten durchaus auch sogenannte „gesunde“ Lebensmittel. Rohe Tomaten oder Zwiebeln. Milchprodukte, vor allem gemischt mit Obst. Oder auch Vollkornprodukte, wenn mein Magen nicht gut drauf war oder ich mich schwach fühlte. Ich wollte meinem Körper mit dem Vollkorn Kraft geben und was Gutes tun. Stattdessen habe ich ihn komplett überfordert – ein Zwieback wäre in so einer Situation besser gewesen.

Seit ich mich typgerechter ernähre und mehr darauf höre, was mir gut tut, zum Beispiel warmes, gekochtes, leicht verdauliches Essen gerade jetzt im Winter, läuft es. Wenn ich jetzt Milchprodukte esse, signalisiert mein Magen mir meist direkt: nö. Will ich nicht. Gerüche ziehen mich immer noch an. Sei es der Duft von Holzkohle und Grillfleisch, der im Sommer durch die Luft schwebt, oder das Zimtbrötchen, das morgens am Bahnhof olfaktorisch lockt. Aber wenn ich dann kurz dran denke, der Geruchsverlockung nachzugeben, und mir ein Franzbrötchen zu kaufen, merke ich: mein Körper will gar nicht. Früher hab ich die leise Stimme ignoriert und mir trotzdem eins geholt. Und wurde nach kurzem Zuckerflash direkt müde und hatte keine Energie mehr.

Seit ich primär vegan lebe habe ich in guten Phasen soviel Energie, dass ich die ersten paar Wochen dachte, ich wäre krank –  ernsthaft! Ich kannte das Gefühl nicht mehr! Ich brauchte früher immer mindestens 8-9 Stunden Schlaf, war oft müde und prädestiniert für das Nachmittagskoma bei der Arbeit. Auf einmal wache ich morgens um 6 oder 7 Uhr fit auf. Und wenn der Tag mal länger geht, geht das auch, solange ich meine Balance halte und auf mich achte. Und das ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, das mal zu probieren 🙂