Gut in den Tag starten: Ayurveda setzt in erster Linie Wert auf Prävention, sprich man versucht, Krankheiten bereits am Entstehen zu hindern. Deshalb wird die Morgenroutine auch und gerade gesunden Menschen empfohlen.

Auch wenn die optimale Routine aus allen Maßnahmen besteht: Dies hier sind Empfehlungen, die Du nach eigenem Ermessen und ohne Stress in Dein morgendliches Ritual integrieren kannst – so wie es passt.

Die Morgenroutine im Überblick:

  1. Aufstehen mit der Sonne. Öl erwärmen für Körper und Mund
  2. Warmes Wasser trinken und die Verdauung anregen
  3. Körperölung
  4. Leichtes Yoga- oder Meditationsprogramm
  5. Mundreinigung inklusive Ölziehen
  6. Augenreinigung
  7. Nasenreinigung
  8. Duschen
  9. Agni-Trunk

1. Aufstehen

Im Ayurveda beginnt der Tag als Early Bird: In der Vata-Zeit zwischen 3 und 6 Uhr. Da das für die Meisten nicht praktikabel ist, gilt: Mit der Sonne aufstehen, wenn möglich J Ab 6 Uhr (oder auch: Mit dem Sonnenaufgang) beginnt die Kapha-Zeit, die uns nach und nach immer träger werden lässt. Wir kennen das: Der Wecker klingelt, wir drehen uns nochmal um, und werden dadurch aber nicht wacher, sondern eher noch müder. Die Aktivität kommt erst ab 10 Uhr mit der Pitta-Zeit wieder. Also: Möglichst mit der Sonne aufstehen und entspannt in den Tag starten.

2. Warmes Wasser trinken

Um den Stoffwechsel und den Darm anzuregen, werden zunächst zwei Gläser warmes Wasser getrunken. Die Folge: Wir entleeren kurz darauf den Darm. Das ist besonders wichtig, um uns von allen Schlacken der Nacht und vom Vortag zu reinigen.

Tipp: Am Abend vorher Wasser kochen und in eine Thermoskanne füllen. Warum kein Wasser aus dem Hahn? Abgekochtes Wasser hat eine besonders reinigende und therapeutische Wirkung.

Das beste Reinigungsmittel: heißes Wasser

Durch den transformierenden Kochvorgang (die Moleküle lösen sich) erhält abgekochtes Wasser folgende Eigenschaften:

  • Leicht (laghu)
  • Erhitzend (ushna)
  • Agni-/Appetitanregend (deepana)
  • Ama-verbrennend, verdauungsfördernd (pachana)
  • Auskratzend (lekhana)

 Vata: Die Menge Wasser auf 1/8 einkochen (ca. 10 Min), also 1 Liter auf 825ml.

Pitta: Die Menge Wasser auf 1/4 (ca. 20 Min.), also 1 Liter auf 750 ml.

Kapha: Die Menge Wasser auf 1/2 (ca. 40 Min.), also 1 Liter auf 500 ml – ggf. etwas Honig oder 1 TL Reismilch hinzugeben, da es sehr trocken ist und im Hals kratzen kann.

3. Körperölung

Eine einfache und doch wirksame Methode, die Doshas in Balance zu halten, für Stabilität zu sorgen und den Alterungsprozess aufzuhalten. Außerdem nimmt es oberflächliche Giftstoffe aus der Haut auf, die mit dem Duschen abgespült werden.

Dafür ca. 30 ml Dosha-spezifisches Öl erwärmen (z.B. ein Shot-Glas o.ä. in eine größere Schüssel mit heißem Wasser stellen) und danach den ganzen Körper von oben bis unten einölen und 15-20 Min. einwirken lassen. Ob täglich oder gelegentlich: Wenn Zeit und Muße da sind, gern zum Öl greifen.

Für Pitta und Vata eignet sich beispielsweise ganz normales Sesamöl, das Du sonst auch zum Kochen verwendest. Es gibt aber auch eine große Auswahl an therapeutischen Ölen. Da es durch die Haut in unseren Körper eindringt und unser Gewebe nährt, unbedingt auf gute Qualität achten. Hinweis: Kokosöl ist zu kalt und verstopft die Poren.

Kapha sollte statt Öl lieber eine Trockenmassage zum Beispiel mit einem Massagehandschuh durchführen – oder eine Pulvermassage: Hierbei wird der Körper nur leicht eingeölt, damit das Pulver (Kräuter oder Gerstenmehl: einfach in der Küchenmaschine fein mahlen) auch haften bleibt. Dann wird der Körper kräftig abgerieben. Das regt das Gewebe und die inneren Organe an, und hilft auch bei Erschöpfung, Energiemangel, Kältegefühl oder einem schwachen Kreislauf. Super also, um morgens so richtig in Schwung zu kommen!

4. Yoga und/oder Meditation

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, ein paar leichte Übungen oder eine Meditation zu machen, um auch den Geist gut in den Tag starten zu lassen. Ob Sonnengruß, einfache Dehnübungen, Atemübungen oder eine (geführte) Meditation.

 5. Mundreinigung

Nach dem Körper wird der Mund mit Öl versorgt. Du nimmst 1 EL oder mehr warmes Sesamöl in den Mund. Dieses bewegst Du 2 Min. oder länger im Mund hin und her, ziehst es durch die Zähne und spuckst es dann aus – am besten in den Mülleimer, damit die Rohre auf Dauer nicht durch kaltes Öl verstopfen. Danach schabst Du Dir zweimal gründlich die Zunge und putzt die Zähne.

6. Augenreinigung

Nimm den Mund voll mit kaltem Wasser und wasche dir auch die Augen mit kaltem Wasser. Zur Stärkung kann 1 Tropfen Honig, Ghee oder Augenöl in jedes Auge gegeben werden – auf Hygiene achten, damit keine Bakterien ins Auge gelangen.

7. Nasenreinigung

Besonders wichtig und effektiv – eine Nasenreinigung hilft präventiv gegen Erkältungen und hält das Gesicht jung und frisch. Zuerst mit Salzwasser ordentlich alles durchspülen. Aus der hohlen Hand hochziehen, ein Nasenkännchen oder eine Nasendusche verwenden. Danach zwei Tropfen eines Dosha-gerechten Öls durch die Nase hochziehen bzw. mit dem kleinen Finger in die Nase reiben und dann ausspucken, was hinten im Rachen runterläuft.

8. Duschen

Nun ist es Zeit, das Öl wieder abzuduschen. Dafür erst nochmal den Körper gründlich einreiben und dann das Öl abspülen. Das ist wichtig, damit die Eigenfettungseigenschaften der Haut nicht verloren gehen und die oberflächlich gebundenen Giftstoffe abgespült werden.

9. Agni-stärken

Zeit, das Frühstück vorzubereiten und schon mal die Verdauung anzukurbeln. Idealerweise wird die ersten drei Stunden nach dem Aufstehen Nichts gegessen, nur 0,5-1 Liter getrunken, und erst ab 10h gefrühstückt – wenn man es solange aushält J

Maßnahmen zur Agni-Stärkung

  • Ingwerwasser trinken
  • Etwas Trikatu (3 Pfeffer-Mischung) mit Honig lutschen
  • Besonders empfehlenswert für Vata: Heißes Wasser mit Zitrone und Salz
  • Besonders empfehlenswert für Kapha: Trikatu oder Pippali mit Honig

Pitta braucht meist keine Anregung, aber wenn das Agni gestört ist, helfen auch hier Ingwerwasser oder Pippali mit etwas Ghee eingenommen. Sauer und scharf erhöht Pitta, deshalb nicht zu viel davon nehmen.