Viele können sich unter Ayurveda oder einer Ayurveda-Kur erstmal noch nicht so richtig was vorstellen, mir ging es anfangs nicht anders. Ich hatte nur das untrügliche Gefühl: es wird mir richtig gut tun. Deshalb beschloss ich bereits zu Beginn meiner Chemo, dass ich, wenn ich nach ca. 9 Monaten mit allem durch bin, eine Ayurveda-Kur machen möchte. Soah. An die ich dann, auch dank meiner wirklich unfassbar wunderbaren Freunde, noch eine 2,5-wöchige Reise durch Vietnam und Kambodscha drangehängt habe. Ich bin immer viel und leidenschaftlich gern gereist, und auf einmal wieder wie 2006 an mein Sofa gefesselt zu sein war hart. Aber mit dem Ausblick auf die Reise hatte ich immer was, worauf ich mich so richtig gefreut habe. Das finde ich generell wichtig im Leben: Immer etwas haben, worauf man sich freut. Dann kommen einem auch die doofen Tage nicht allzu lang vor 🙂

Nach meiner Kur auf Sri Lanka wurde ich entsprechend drölfzig Mal gefragt, wie es denn so war, und was da so gemacht wurde, und überhaupt. Für Freunde und Familie hab ich damals einen Blog geschrieben, um sie an dieser besonderen Erfahrung teilhaben zu lassen, und den werde ich nun nach und nach auch mit euch teilen – so bekommt ihr mal einen subjektiven aber doch authentischen Eindruck davon, was eine echte Panchakarma-Kur ist: nämlich eine ganzheitliche Reinigungs-/Entgiftungskur für die Dreifaltigkeit von Körper, Geist und Seele. Unfassbar wohltuend, heilend, energetisierend, reinigend – wie die Definition es vermuten lässt. Ziel dieser Kur ist es nicht nur, die Symptome zu behandeln, sondern gleichzeitig das Immunsystem, Körper und Geist so zu stärken, dass zukünftig keine Krankheiten mehr auftreten. Behandelt wird grundsätzlich alles, ob Parkinson, Heuschnupfen, Angstzustände oder Unfruchtbarkeit. Man darf aber nicht vergessen: Was sich oft über Jahre entwickelt und verschlechtert hat, ist nach zwei Wochen Kur nicht automatisch verschwunden. Aber ich habe auf beiden Kuren niemanden getroffen, der sich nicht signifikant besser oder sogar komplett gesund gefühlt hat – je nach Beschwerden und Intensität.

Sich nachhaltig fantastisch fühlen

Viele denken, so eine Kur hat was mit Wellness zu tun, weil man als eine von vielen therapeutischen Maßnahmen täglich massiert wird – das ist aber nur im weitesten Sinne so. Wer sich eine gute Klinik oder ein gutes Ressort aussucht, der bekommt eine ayurvedisch-medizinische Behandlung, die auch mal ans Eingemachte gehen kann. Das ist nicht immer nur Spaß in Tüten, aber jede Minute wert, wenn man wie neu geboren mit einem breiten Lächeln im Gesicht nach Hause fährt. Und auch Wochen später noch diesen ganz speziellen Duft der Öle in der Nase hat, denn damit wird dort nicht gegeizt, die sind ebenfalls, je nach Dosha (also deinem Typ), ganz schrecklich wichtig.

Mein täglich Öl gib mir heute

Was den Franzosen ihr Wein ist, ist den Ayurvedanern (ich nenn sie jetzt einfach mal so) ihr Öl. Hochwertiges, therapeutisches Öl herzustellen ist eine große Kunst. Und wenn es denn fertig ist, wird es gnadenlos am ganzen Körper eingesetzt, ob bei der Kopf- oder Körpermassage, in der Nase, den Ohren oder auch bei Einläufen. Denn Öl hilft, die Giftstoffe im Körper zu lösen und auszuleiten. Deshalb wird man während der Kur auch täglich von Kopf bis Fuß ordentlich durchgewalkt, und bekommt je nach Beschwerden und Typ auch noch diverse andere Anwendungen, auf die ich in späteren Texten eingehen werde.

Die Basis dieser Heilöle besteht meist aus Sesam- oder Kokosöl, oder dem so hoch geschätzten Ghee (geklärte Butter). Dem Öl werden dann diverse Kräuter oder ätherische Öle hinzugefügt. Und riechen ganz anders als das, was wir so kennen. Ich hab mir eine Flasche meines Öls mitgenommen und benutze es heute noch. Wenn auch mit Vorsicht, denn wirklich ALLES riecht dann danach, es eignet sich also eher für die Zuhause-Anwendung am Abend oder Wochenende.

Auf nach Sri Lanka

Ich hatte wie gesagt schon das ganze Jahr meine Traumreise vor Augen, musste nach der Bestrahlung aber erstmal noch zur „normalen“ Reha, zum Glück ins wunderschöne St. Peter an die Nordsee. So eine Reha ist auch schon speziell, schon auf meiner Fahrt vom Bahnhof zur Klinik wurde mir bewusst, wieviel Negativität da in der Luft liegt. Das war gar nicht so einfach, sich dem zu entziehen. Zum Glück war meine Tischnachbarin ähnlich drauf, und wir hatten trotz allem eine halbwegs gute Zeit.

Ich fühlte mich besser, aber immer noch wie 80 (auch wenn ich nicht weiß, wie man sich mit 80 fühlt, aber so stellte ich es mir vor). Alles tat weh, morgens plumpste ich wie ein steifer Roboter aus dem Bett, Zehen und Finger waren teils taub und noch diverses anderes. Egal. Das hatte sich nach viel Bewegung und Therapie in drei Wochen an der Nordsee schon ein wenig gebessert, und ich war happy und optimistisch. Dass das alles dauert, hatte man mir schon mehrfach gesagt (wo Geduld doch meine ganz große Stärke ist…).

Am 10 November 2017 stand ich also am Flughafen Hamburg, mit zumindest schon 2cm langen, endlich wieder sprießenden Haaren und einem quitschgelben Hoodie, der meine hervorragende Stimmung widerspiegelte. Endlich Freiheit! Auf ging‘s nach Colombo, Sri Lanka, mit guter Laune und verdammt viel Farbe im Gepäck.

Dies war mein erster Eindruck nach meiner Ankunft – und mein erster Blog-Eintrag.

Om-Tour 2017, die 1te

Alter Falter. Ich hatte gedacht, dass es hier wahrscheinlich schon ganz nett ist. Aber mein erster Eindruck: ich bin im Paradies 😍 Nach drei Wochen werde ich kitschige Postkartenmotive fürs ganze Leben haben. Noch bevor ich überhaupt in Vietnam bin. Die Anlage ist total niedlich, aber doch sehr weitläufig, direkt am Strand. In meinem Bett höre ich das Meer rauschen. Und die Palmen. Meine persönliche Vorstellung von: besser geht‘s nicht.

Tagsüber sind es hier so 30 Grad. Meine Muskeln haben sich spontan entspannt 🙏 🏻Der Meer-Pool ist ewig lang und hat eine super Temperatur. Ich bin keine Wasserratte, aber nach meiner Ankunft gleich mal eine Stunde schwimmen gegangen. Und natürlich an den Strand. Über mir im zweiten Stock höre ich jetzt die Yoga-Gruppe chanten und vor sich hin omen, und gleich gibt es Abendessen. Da ich seit gestern Morgen nicht geschlafen habe, kann ich mir nach dem Auspacken gut ne frühe Nacht vorstellen 😊 morgen um 8.30 Uhr geht‘s dann nach dem Frühstück zur medizinischen Untersuchung. Den 6 Uhr-Yoga-Kurs skippe ich mal. Ähem. Alles irgendwie wie in St. Peter. Nur noch viel, viel besser…

Alles Liebe aus dem Paradies – ich schicke eine große Portion Sonne und Wärme nach Hause 🏝☀😘

Beseelt und happy, mit langsam aber sicher wieder sprießenden Haaren, die endlich nicht mehr komplett weiß waren, an meinem ersten Abend: