Ayurveda Kur: Alles zum was, wo und wieviel

Noch 3 Wochen, dann geht der Flieger nach Indien – zu meiner dritten Ayurveda Kur, diesmal in Kovalam in Südindien und nicht auf Sri Lanka. Das hat verschiedene Gründe, aber unter anderem möchte ich einfach direkt vor Ort und authentisch den therapeutischen Unterschied in den Ansätzen und Behandlungen erleben. Den wie alles im Leben wird auch Ayurveda in unterschiedlichen Regionen anders gelebt und praktiziert.

Von meiner ersten Kur 2017 habe ich einen damals noch recht unbedarften Blog geschrieben, ohne all das Wissen, das ich heute habe. Was ich damals schon wusste: Eine Ayurveda Kur ist kein Wellness. Wer davon ausgeht, dass er den halben Tag am Pool liegt, eiskalte Fruchtcocktails trinkt, zwischendrin eine nette Massage bekommt und ab und an mal ein paar Kräuterkügelchen schluckt, der wird zwangsläufig enttäuscht werden. Was alle immer erwarten: Den Shirodhara, den Stirnguss. Doch wie alles hat auch dieser natürlich eine therapeutische Relevanz und ist einfach nicht für jeden und jede Krankheit angezeigt. Also nicht enttäuscht sein, wenn Ihr ihn nicht bekommt, das hat gute Gründe.

Eine Ayurveda Kur ist eine komplexe, stark wirksame und für Körper und Geist anstrengende medizinische Therapie, die reinigt und aufbaut. Dazu gehören verschiedene Behandlungen, innerlich und äußerlich, viel Ruhe und eine leckere aber einfache vegetarische Ernährung. Die Kräuter sind nicht immer lecker, und wer mal Ghee getrunken hat, der weiß, dass das nicht unbedingt angenehm ist. Dennoch: Die Wirkung ist phänomenal, und wie heißt es so schön: Ohne Fleiß kein Preis. Es gibt keine Pillen, die nachhaltig heilen, wenn man die krankmachen Ursachen nicht behebt. Und dazu gehört oft genug auch unser Verhalten.

Ayurveda Kur und Panchakarma Kur – gibt es einen Unterschied?

Für viele ist eine Ayurveda Kur gleichbedeutend mit einer Panchakarma-Kur, doch so einfach ist das nicht. Tatsächlich kann es sein, dass ein Patient eine Ayurveda Kur macht und KEINE der fünf Reinigungsmaßnahmen bekommt – das hängt individuell vom Patienten, seiner Konstitution und seinem Krankheitsbild ab. Die Behandlungen sind sehr anstrengend für den Körper und zum Beispiel kontraindiziert, wenn ein Patient zu schwach ist. Auch wenn die doshas nur leicht oder mittelmäßig aus der Balance geraten sind, ist nicht immer eine intensive reinigende Behandlung nötig. Und bei manchen Krankheitsbildern bieten sich direkt stoffwechselausgleichende Therapien o.ä. an.

Doch schauen wir uns erstmal an, was Panchakarma eigentlich bedeutet.

Panchakarma, die „fünf Handlungen“

Panchakarma, die „fünf Handlungen“ (Pancha: fünf, karma: Handlungen), sind klassische ayurvedische Maßnahmen zur inneren Reinigung. Von den fünf, die nur von erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden sollten, werden heute primär drei angewandt:

Virecana: Abführen (überschüssiges pitta entfernen)

Basti: reinigende und/oder ölige Einläufe (überschüssiges vata entfernen)

Nasya: nasokraniale Reinigung (überschüssiges kapha entfernen)

In Ayurveda-Kliniken oder bei entsprechender Erfahrung und Ausstattung wird auch die vierte Maßnahme angewendet:

Vamana: therapeutisches Erbrechen (überschüssiges kapha entfernen)

Die fünfte, Rakta Moksha, ein Aderlass, für den auch Blutegel genommen werden, ist in den USA beispielsweise verboten. In Indien wird diese bei bestimmten Indikationen sehr heilsame Methode von Ärzten noch heute in die Therapie integriert.

Panchakarma-Therapie

Die Reinigungsmaßnahmen werden (sofern indiziert) im Rahmen einer Therapie-Strategie angewendet, die idealerweise stationär erfolgt und 30 Tage oder länger dauern sollte. So lange habe auch ich noch keine Ayurveda Kur gemacht. Mehr als 3 Wochen ist für mich, und für die meisten anderen auch, schwierig zu bewerkstelligen – sowohl zeitlich als auch finanziell. Dennoch: Bei wirklich gravierenden Krankheiten lohnt es sich definitiv, hier die Zeit und das Geld zu investieren: Für mehr Lebensqualität und bestenfalls komplette Heilung.

Eine Therapie besteht aus drei Phasen:

Der Vorbehandlung (purva-karma), der Hauptbehandlung (pradhana-karma) und der Nachbehandlung (pascat-karma).

Während der Vorbehandlung wird zuerst mittels pacana im Körper vorhandenes ama verbrannt und dann die überschüssigen und krankmachenden doshas aus den tieferen Gewebeschichten gelöst und in die jeweiligen Hauptsitze der doshas in den Magen-Darm-Trakt zurückgeführt. Dies geschieht durch innere und äußere Ölung, z.B. mittels Ghee, durch Massagen, Hitzeanwendungen (Schwitzbox, Kräuterbäder und mehr) sowie individuelle Medikation in Form von Kräutern. Als Pillen, Pulver, Dekokten, Pasten beispielsweise.

Sind die doshas gelöst und in den Gastrointestinaltrakt zurückgeführt, können sie von dort in der Phase der Hauptbehandlung mittels einer oder mehrerer der „fünf Handlungen“ ausgeleitet werden.

In der Nachbehandlung wird das agni, unser Verdauungsfeuer, sanft wieder gestärkt und aufgebaut – denn ohne eine anständige Verdauung, sprich Aufschlüsselung und Verwertung der Nahrung, werden wir über kurz oder lang wieder ama ansammeln, schadhaftes Gewebe (wir haben 7 dhatus, Körpergewebe, wie Blut, Knochen, Muskeln, Fett, und 7 upadhatus, Nebengewebe, wie Gefäße, Bänder aber auch Muttermilch) aufbauen und: krank werden. Deshalb ist diese von vielen oft belächelte Phase auch nach einer Fastenkur wirklich essentiell wichtig und entscheidet über den Erfolg der Kur.

Ayurveda wo?

Natürlich ist es toll, wenn man eine Kur dort macht, wo Ayurveda seit Jahrtausenden praktiziert wird: Indien und Sri Lanka. Im Vergleich zu Deutschland sind Ayurveda Kuren dort vergleichsweise günstig, selbst mit Flug.

Der gravierende Nachteil: Fliegen ist absolut tödlich für die Umwelt, und unterstützt den Klimawandel! Ich habe lange über eine weitere Kur in Indien nachgedacht und viel recherchiert. Etwas Vergleichbares, auch nur annähernd demselben Budget Entsprechendes zu finden, war mir jedoch nicht möglich.

Ein weiterer Nachteil: Fliegen erhöht massiv unser vata und vor allem der Rückflug macht einen Teil der Erholung wieder etwas zunichte. Aber: es lohnt sich trotzdem.

Ayurveda Kur und Kosten

Auch in Deutschland gibt es viele Angebote, die preislich aber eben deutlich drüber liegen. Für 14 Tage liegt man da schnell bei 5.000 Euro und mehr. 21 Tage Indien kosten je nach Klinik unter 3.000 Euro, inklusive Flug, teils sogar deutlich weniger.

Pro Tag kann man in Indien zwischen 60-100 Euro für Verpflegung, Unterkunft und Behandlung rechnen, wenn man bereit ist, auf größeren Luxus zu verzichten. Wer westlichen Standard erwartet, der muss entsprechend auch dafür bezahlen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Das ist völlig überflüssig. Die meisten „Kliniken“ sind einfach aber sehr nett, authentisch und charmant eingerichtet, mit allem, was man braucht – sogar WLAN findet man in der kleinsten Hütte. Auch wenn mediales Fasten ebenfalls keine schlechte Maßnahme ist – digital detox tut uns allen gut.

Die „Kliniken“ sind sauber, ordentlich und landestypisch, und das Personal sehr freundlich und kompetent. Insbesondere Letzteres ist ein entscheidendes Kriterium Was nützt einem ein goldener Wasserhahn, wenn der Arzt einen Crash-Kurs in Ayurveda belegt hat, wie es hierzulande oft mit Akupunktur zu beobachten ist. In Indien oder China ist hierfür ein langjähriges Studium nötig, und nicht nur eine Weiterbildung.

Am besten ist es, wenn man Tipps von Bekannten oder Freunden bekommt, die bereits vor Ort waren und berichten können.

Ihr habt Fragen zu diesem Thema? Meldet euch gern per Kontaktformular oder E-Mail bei mir 🙂

 

 

 

 

 

 

 

 

https://www.drnadinewebering.com/2019/07/14/pancha-karma-alles-andere-als-wellness/