Hier kommt der zweite Blog-Eintrag meiner ersten Ayurveda-Kur, in dem ich über die erste Phase der Kur berichte: Ama sammeln. Was das ist und wie es gesammelt wird, um dann in der zweiten Phase aus dem Körper transportiert zu werden, lest ihr unten.

An einigen Stellen habe ich meinen Bericht nachträglich noch mit hilfreichen Informationen und Erklärungen angereichert, die ich damals so noch nicht hatte.

Om-Tour 2017, die 2te

Namaste! Da eine der vernünftigen Grundregeln hier die möglichst weitreichende WWW-Enthaltsamkeit ist, gibt es in den meisten Zimmern kein WLAN – außer man besorgt sich eine SIM-Karte. Einer von mehreren Gründen, weshalb ich kaum online bin. Und wenn, ist das Netz sehr schwach, sprich Fotos und Videos hochladen dauert sehr, sehr lange. Da gibt‘s hier für mich natürlich grundsätzlich spannendere Dinge zu tun 🙂 Da ich aber eh für mich eine Art Tagebuch schreibe, gibt‘s ab und an zu verschiedenen Themen einen kleinen Bericht. Wen dies interessiert: Viel Spaß. Für alle, die lieber Bilder gucken, hier die Kurzfassung: Alles supi! Ich wurde definitiv in der falschen Klimazone geboren, da kommen meine indischen Wurzeln durch. An das Wetter könnt ich mich gewöhnen, aber auch an Meer, Palmen und die besten Mangos und Papayas der Welt.

Heute: TreatMent – erste Eindrücke

Ich bin ja Samstag späten Nachmittag erst angekommen, deshalb gab es erst Sonntag früh meine erste Konsultation bei Frau Dr. Priya. Die und das fand ich schon mal ziemlich vielversprechend. Sie fragte viel, erklärte viel, und schrieb dann sofort mein erstes Treatment auf, mit dem es dann auch kurz darauf losging. Als ich eine Stunde später vorne an der Rezeption des Health Centers auf meine Therapeutinnen wartete, wurde es kurz etwas peinlich. Ich saß da ganz verträumt, und dachte noch: „Schöne entspannte Musik spielen die hier, „A Beautiful Mess“ von Jason Mraz, ungewöhnlich für Asien…“ bis ich irgendwann mitbekam, dass alle anderen schon seit Minuten rätselten, woher denn die Musik kommt. Und schließlich als Quelle des Ganzen meine Tasche, die vorne an einem Haken hing, ausmachten. Da fiel mir ein, dass ich den Handywecker für den Therapiebeginn gestellt hatte, und statt Klingelton eben dieser Song auf meinem Handy als Signalton eingestellt war, da nicht so verstörend wie eine Hupe oder ähnliches. Trotzdem Ups.

Rezeption vom Health Center

Einige dachten sicher, dass ich irgendwelche Pflanzen aus dem Kräutergarten geraucht hab (not guilty), weil ich seelenruhig den Mini-Aufruhr minutenlang ignoriert habe. Aber ich sag mal: Ich hab mich lediglich in vorauseilendem Gehorsam in Tiefenentspannung geübt 🙂

Dann kamen meine Therapeutinnen Mili und Maki, ich hab die Namen ehrlich gesagt nicht verstanden – Schande auf mein Haupt, und es ging los. Ganz niedlich: Du wirst immer an der Hand genommen und in dein Behandlungszimmer geführt, wie im Kindergarten J Frauen werden hier nur von Frauen behandelt, Männer dito von Männern, zumindest bis zu einem gewissen Alter. Sollte sich das ändern weißt du: du bist alt 😀

Die drei Phasen eine Panchkarma-Kur.
Phase 1. Ama sammeln

Im Moment bin ich noch in der Pre-Detox-Phase, der ersten von insgesamt drei Phasen. In der ersten wird erstmal alles, was im Körper nichts zu suchen hat und Krankheiten verursacht oder auch Produkt von solchen ist, an die Orte im Körper gebracht, aus denen sie dann wortwörtlich abgeführt werden können (schönes Thema). Diese Schlacken (Stoffwechselrückstände) und Giftstoffe werden im Ayurveda „Ama“ genannt. Das dauert je nach Aufenthalt so 4-5 Tage mit dem „Müll sammeln“. Erreichen tut man das mit Öl- und Powder-Massagen, Sitzungen im Dampfbad oder Kräuterbädern, Öl-Kräuterumschlägen im wunderschönen Kräutergarten, den individuellen pflanzlichen Medikamenten, speziellen Tees und der ayurvedischen Ernährung. Zusätzlich kann man noch zum Yoga gehen (morgens um 6 Uhr und nachmittags um 17 Uhr), sonntags zur Meditation oder zum Tai Chi, schwimmen und spazieren oder auch einfach RUHEN.

Die Standardbehandlung der ersten Tage und all derer, an denen man keine Spezialbehandlungen hat, sieht ungefähr folgendermaßen aus und dauert so 2,5 Stunden. Man hat bis auf Ausnahmen wie Krankheit oder Urlaub immer die gleichen Therapeuten, die gleiche Uhrzeit und den gleichen Raum, was ich sehr angenehm fand. Möchte man jedoch mal die Zeit tauschen, um an einem Ausflug teilzunehmen oder so, versuchen sie auch das möglich zu machen.

Alle Räumlichkeiten sind einfach, hübsch, sauber und authentisch, was eine Wohltat war nach dem klinisch-steril-kühlen Ambiente der Reha, wo immer der obligatorische Duft von Desinfektionsmitteln in der Luft lag.

Massage

Ich wurde auf einen Stuhl gesetzt und bekam erst eine Kopfmassage, dann waren Schulter, Nacken und Arme dran. Mein erster Gedanke war: Maki (oder Mili?) steht ziemlich sicher unter „Schraubstock, der (m)“ im Duden. Das Öl hatte einen nicht unangenehmen, aber noch undefinierbareren Duft und war sehr intensiv.

Danach hieß es dann hinlegen, und es ging weiter mit einer Gesichtsmassage. Herrlich. Und dann kam der Knaller, eine vierhändige Ganzkörpermassage. Das war ein bisschen wie „Die Harte und die Zarte“ (Bud Spencer und Terence Hill lassen grüßen), denn die beiden hatten einen unterschiedlichen Zupack-Grad. Mein linkes Bein wurde so krass durchgewalkt, davon hat das rechte nur geträumt bzw. sich gefürchtet. Aber insgesamt war es mega. Im Hintergrund lief die ganze Zeit Musik, die aber NICHT von mir war – dieser Soundtrack hätte es definitiv nicht auf mein Handy geschafft. Ich schwör, es war „Was soll es bedeuten“ in der asiatischen Shangrila-Version, begleitet von einer Singalesischen Panflöte. Aber gar nicht mal unangenehm, auch wenn das jetzt so klingt.

Inhalation

Die meisten Patienten gehen danach ins Dampfbad, ich durfte nicht, weil das ziemlich anstrengend für den Körper ist, und meiner noch nicht fit genug war. Stattdessen lag ich 10 Minuten über einem dampfenden Kräuterpott und inhalierte, was das Zeug hielt. Eine Maßnahme für alle, die was mit Lunge, Bronchien oder den oberen Atemwegen haben.

Kräutergarten

Danach wurde ich in den Kräutergarten gebracht – alles liegt direkt nebeneinander. Dort befinden sich in einem wunderschönen kleinen Garten mit Mini-Teich ca. 20 Liegen nebeneinander, allerdings überdacht, denn in den Subtropen regnet es ja auch gern mal. Wieder kamen unfassbar freundliche Therapeutinnen auf mich zu, adrett in weißer Bluse und blau-weiß gestreiftem Kittel-Kleid, ein bisschen wie vor 100 Jahren. Alle barfuß, alle lächelnd.

Im Kräutergarten bekommt jeder Patient je nach Beschwerden und Typ Kräuter-Öl-Packungen sowie eine kleine Gesichtsmaske on top: frische Papaya aufs Gesicht, Gurkenscheiben für die Augen. Die können auch noch beauty nebenbei, find ich gut! Dann liegt man da so…30?….40? Minuten und sinniert oder döst vor sich hin, während noch mehr Öl und Kräuter über deine Haut in dich hineinsinken. Als Ganzkörperbaustelle bekam ich mindestens 20 heiße Packungen auf jede freie Stelle meines Körpers, von den Füßen bis zu den Schultern. Danach wirst du mit einem Laken bedeckt und bekommst ein kleines Fliegennetz über Kopf – sehr wichtig, die Viecher machen einen sonst verrückt.

Im Kräutergarten

Kräuterbad

Von da ging es unter die Dusche, den öligen Schmodder mit einem selbstgemachten, speziellen Kokos-Peeling runterkriegen (was gar nicht einfach ist!) und ab ins Kräuterbad. Du sitzt in einer Steinwanne, die aber nur so 10 cm mit Kräuterwasser gefüllt ist, das täglich frisch gekocht wird und immer in riesigen Töpfen neben den Badewannen vor sich hin brodelt. Die Therapeutin schöpfen und gießen dann 15 Minuten heißes Kräuterwasser über deinen Körper. Sicher ganz schön anstrengend, mit den Oberarmen könnten sie garantiert auf dem Oktoberfest arbeiten.

Hat man das geschafft, ist man erstmal fertig, und kann je nach Uhrzeit erstmal eine Stunde ruhen und das Ganze wirken lassen.

Zusätzlich hat man täglich einen halbstündigen Akupunktur-Termin, alle 3 Tage eine Konsultation bei seiner Ärztin sowie die Spezialbehandlungen. Ihr seht: Kein Wellnessurlaub, sondern wirklich eine intensive Kur – aber von nix kommt bekanntlich ja auch nix J

Dennoch gibt es natürlich auch noch mehr als nur Kräuter, Sonnengrüße und Schraubstöcke. Gestern war ich nachmittags auf einem netten Bootsausflug in den Mangroven auf dem Bentota River, morgen geht es zu einer Teeplantage und am Donnerstag zu einer Schildkrötenaufzuchtstation. Mehr dazu im nächsten Beitrag:
„Und sonst so: ein Leben neben Ayurveda“.