Was ist eigentlich dieses Ayurveda? Gute Frage 🙂 Hier jetzt in alle Details zu gehen, würde zu weit führen – nicht umsonst werden hierüber dicke Bücher geschrieben. Aber um euch einen einfachen Einblick in die Ayurveda zu geben, habe ich hier für euch die wichtigsten Dinge mal kurz und vereinfacht zusammengefasst.

Unsere Körpergewebe (Dhatus)

Die einen nennen es Materie, die anderen Fleisch und Blut – in der Ayurveda wiederum sagt man, dass alle Menschen bzw. alle Materie aus den fünf Elementen ent- und bestehen: Luft (Bewegung), Äther (Raum), Feuer (Verbrennung), Wasser (Schmierung) und Erde (Stabilität). Diese Elemente bilden die sieben Körpergewebe der Ayurveda, die Dhatus, die wir durch unsere Ernährung entweder gut versorgen und erhalten – oder vernachlässigen und schädigen. Jedes Körpergewebe, ob Plasma, Blut, Muskeln, Fett, Knochen, Nerven oder Fortpflanzungsgewebe, hat eine Aufgabe. Blut transportiert zum Beispiel Sauerstoff, Plasma Nährstoffe und Nerven leiten Informationen weiter.

Um diese Aufgabe gut erfüllen zu können, muss das Gewebe entsprechend genährt werden. Und da ist es nicht anders als bei Pflanzen: Auf einem nährstoffarmen Boden mit zu wenig Wasser werden diese über kurz oder lang verkümmern. Noch schlimmer wird es, wenn wir Schad- und Abfallstoffe auf die Erde kippen. Geben wir ihnen jedoch das, was sie brauchen, werden sie  wachsen und gedeihen und uns lange erhalten bleiben.

Die Funktion der drei Bioenergien (Doshas)

Die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha bestimmen und erhalten das komplexe Geflecht aus unseren Körpergeweben, die uns ausmachen. So können alle lebenswichtigen Prozesse und Funktionen in unserem Körper in Gang gehalten werden. Jedes Dosha (Bioenergien) ist jeweils zwei Elementen zugeordnet, die das jeweilige Dosha bestimmen:

Vata – Äther und Luft – das Bewegungsprinzip

Pitta – Feuer und Wasser – das Umwandlungsprinzip

Kapha – Wasser und Erde – das Strukturprinzip

Hier eine schöne Auflistung bekannten Schweizer Ayurveda-Therapeut Hans-Heinrich Rhyner aus seinem „Praxishandbuch für Ayurveda“, die es kurz und knapp erklärt, wie ich finde:

Vata – Prinzip der Bewegung

Korrelative und kommunikative Wirkkraft, mittels derer ein Körperteil Einfluss auf einen anderen ausübt und die den Körper als Teil oder Ganzes bewegt.
Funktionen:
Enthusiasmus, Einatmen, Ausatmen, Bewegungen wie Laufen, Sprechen, Kreislauf aller Elemente und Substanzen im Organismus, Entsorgung von Abfallprodukten, Wehen.

Pitta – Prinzip der Umwandlung

Substanzielle und metabolische* Wirkkraft, welche biochemische Veränderungen verursacht.
*Metabolismus = Stoffwechsel
Funktionen:
Sicht, Verdauung, Hitzeproduktion, Hunger, Durst, Weichheit, Geschmeidigkeit, körperliche Ausstrahlung, Fröhlichkeit, Intelligenz.

Kapha – Prinzip der Struktur

Aufbauende und erhaltende Wirkkraft, welche der Erhaltung und Reproduktion dient.
Funktionen:
Üppigkeit, gut funktionierende Gelenke, Stabilität, Ausdauer, Mut, Selbstzufriedenheit, Widerstandsfähigkeit.

Rhyners wie ich finde sehr passende Metapher für die drei Doshas: Kapha ist in unserem Körper das Benzin und das Öl, das von Pitta in Energie umgewandelt wird, welche wiederum für Vata, Bewegung, sorgt.

Da wir nun alle eine unterschiedliche Zusammensetzung von Körpergeweben haben, ist es nur logisch, dass auch die drei Doshas in einem unterschiedlichen Verhältnis in unserem Körper vorhanden sind – von Geburt an. Diese individuelle Zusammensetzung stellt unsere Grundkonstitution dar, das sogenannte Pakriti.

Wir haben also alle von Tag 1 eine Grundkonstitution, die es zu bewahren gilt, um in unserem Körper alles in Balance zu halten. Die Anteile der Doshas in uns können sich durch die unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensweisen ändern. Unsere Grundkonstitution bleibt jedoch immer gleich. Wer von Natur aus trockene Haut hat, hat trockene Haut, wer eine empfindliche Verdauung hat, hat eine empfindliche Verdauung, wer zu Übergewicht neigt, neigt zu Übergewicht. All diese Zustände kann man mildern und sich entsprechend verhalten, um keine Beschwerden zu haben – aber ändern kann man sie nicht. Das Beste ist also, zu akzeptieren, was und wie wir sind, und nicht ständig zu versuchen, uns zu ändern 🙂

Keine Konstitution ist besser oder schlechter als die andere: Wir alle haben Stärken und Schwachstellen, reagieren empfindlich auf bestimmte Dinge, während andere uns besonders gut tun. Was nicht immer bedeutet, dass wir auch tun, was uns gut tut – ich spreche da aus Erfahrung 😉

Doshas: Verschiedene Konstitutionstypen

Wir alle haben wie gesagt alle fünf Elemente bzw. alle drei Doshas (Bioenergien) in uns, zu unterschiedlichen Teilen und mit teils merkbarer Dominanz. Manche haben ganz klar EIN dominierendes Dosha. Die meisten von uns jedoch eher zwei, womit sie zu den sogenannten Mischtypen gehören. Einige wenige haben sogar ungefähr gleich große Anteile von Vata, Pitta und Kapha – das sind die eher seltenen Tridosha-Typen.

Unser dominierendes Dosha (oder eben auch zwei) gibt die Richtung vor, welche Lebensweise und Ernährung gut für uns ist und was uns auf Dauer und im Übermaß schadet. Ein gesunder Mensch kann mal zu viel essen, mal zu viel trinken, mal zu viel Säure zu sich nehmen, obwohl er zu Übersäuerung neigt und mal zu wenig schlafen, obwohl er eigentlich viel Ruhe und Erdung braucht. Das wird ihm nicht schade. Macht er dies jedoch ständig, wird er über kurz oder lang krank werden.

Durch äußere Umstände und unsere Lebensweise kann auch jedes andere, nicht dominante Dosha erhöht werden und zu einer Dis-Balance führen. Ein Beispiel: Ein Pitta-Kapha-Typ lebt Vata-dominiert – in einem trockenen, kalten und windigen Klima, ist viel auf Reisen, hat einen ungeregelten Tagesablauf und liebt trockene, kalte und rohe Speisen. Über kurz oder lang wird sich das Vata-Dosha, welches die Eigenschaften trocken, kalt, rauh, durchdringend, leicht, klar und beweglich hat, vermehren und kann zu Beschwerden oder sogar Vata-Erkrankungen führen.

Ein Leben in Balance

Nach Ayurveda leben heißt also im Prinzip, ein Leben in Balance zu führen, in Bezug auf unsere Grundkonstitution und unter Berücksichtigung der jeweiligen Lebensumstände.

Kippt diese Balance, müssen wir gegensteuern. Ist etwas zu kalt, behandeln wir es mit Wärme, ist etwas zu trocken, wird Feuchtigkeit hinzugefügt, ist etwas zu heiß, wird abgekühlt. Klingt gar nicht so kompliziert, oder? Das funktioniert auch hervorragend mit der Ernährung:

Ein hitziger Pitta kühlt sich beispielsweise mit kühlenden Lebensmitteln und generell viel Flüssigkeit. Die feuchte Schwere von Kapha kann u.a. durch moderate Wärme, leichte, trockene Reiswaffeln und leichte Gemüsegerichte ausgeglichen werden. Die trockene Beweglichkeit von Vata wiederum durch schwere, nährende Speisen mit Zugabe von Öl oder Butter (wenn man nicht gerade vegan unterwegs ist).

Die Ernährung spielt in der Ayurveda generell ein großes Thema, um die Doshas auszubalancieren. So werden alle Lebensmittel unter anderem nach ihren 20 Grundeigenschaften (Gunas) und den sechs unterschiedlichen Geschmäckern (Rasas) eingeteilt.

Die Gunas sind in Gegensatzpaare aufgeteilt, wobei die eine Eigenschaft die andere ausgleicht.

 Die 20 Eigenschaften von Nahrung (Gunas)

  • Schwer – leicht
  • Ölig – trocken
  • Heiß – kalt
  • Langsam – scharf
  • Weich – hart
  • Dicht/fest – flüssig
  • Trüb – klar
  • Stabil – beweglich
  • Schleimig – rau
  • Grobstofflich – feinstofflich

Die 6 Geschmacksrichtungen (Rasas)

Die Geschmäcker sollten je nach Dosha, welches ausgeglichen werden soll, unsere Nahrung bestimmen. Generell gilt aber: Geht es uns gut (sind alle Doshas in Balance), können und sollen wir alle Geschmacksrichtungen zu uns nehmen – hauptsächlich jedoch die, die für unser dominantes Dosha besonders gut geeignet ist. So beugen wir Dis-Balancen vor und hindern Krankheiten daran, überhaupt erst zu entstehen.

Empfohlene Dosha-reduzierende Geschmacksrichtungen

Vata: süß – sauer – salzig

Pitta:  süß – bitter – herb

Kapha: scharf – bitter – herb

Agni und Ama – gesunde Verdauung, gesunder Körper

Ebenfalls eine sehr wichtige Rolle spielt, wie sollte es anders sein, die Verdauung. Wie diese aussieht verrät viel über unseren aktuellen Gesundheitszustand. Deshalb muss man sich darauf einstellen, dass in einer Ayurveda-Beratung sehr genau darauf eingegangen wird, wann, wie oft und von welcher Beschaffenheit Urin und Stuhl sind. Mein Ayurveda-Lehrer sagte: Ob deine Nahrung gut für dich war, siehst du spätestens am nächsten Morgen auf der Toilette. Brauchst du die Bürste, hast du nicht richtig verdaut.

Zuständig hierfür ist Agni, das Verdauungsfeuer. Hierauf werde ich aufgrund seiner Bedeutung in einem einzelnen Blog-Beitrag eingehen, genauso wie auf Ama, die schlecht oder unverdauten Abfallprodukte/ Stoffwechselschlacken/ Toxine, die, häufen wir zu viel davon an, Krankheiten auslösen. Funktioniert Agni nicht, werden wir Ama anhäufen, sprich: Funktioniert die Verdauung nicht, werden wir krank. Diese Jahrtausende alten Erkenntnisse bestätigen auch die heutige Wissenschaft, nicht umsonst haben es Bücher wie „Darm mit Charme“ ganz nach oben in die Bestsellerlisten geschafft.

Im nächsten Beitrag stelle ich euch Vata – das Bewegungsprinzip vor, und dann Pitta und Kapha.