Alles, was wir zu uns nehmen, wird durch Agni, das Verdauungsfeuer (welches mehr ist als nur die Verdauung an sich), verarbeitet. Kann Agni aus irgendwelchen Gründen nicht richtig arbeiten, bleibt nicht richtig oder gar nicht verdaute Nahrung in unserem Körper zurück. Im Verdauungstrakt entwickelt sich daraus dann das, was wir Ama nennen: eine klebrige, schleimige, toxische Substanz, die sich von dort ausbreiten und erst den Magen-Darm-Trakt und später dann über die Blutbahnen und andere Kanäle unseren gesamten Körper infiltrieren kann. Und das macht uns krank.

Normalerweise schlüsselt unser schlauer Körper Nahrung so auf, dass Alles verwertbare rausgefiltert und an das jeweils passende Gewebe weitergeleitet wird. Die Reste scheiden wir aus. Mit Ama kann unser Körper weder das eine, noch das andere tun: Es bleibt nutzlos als Rückstand in unserem Körper zurück und kann weder verdaut noch verwertet werden.

Dr. Vasant Lad beschreibt es so: „Somit ist Ama die Wurzel der Krankheiten. (…) Nach den Lehren der Ayurveda ist eine Krankheit im Grunde eine von Ama hervorgerufene Krise, durch die der Körper angesammeltes Gift zu eliminieren versucht. Somit besteht der Schlüssel zur Verhinderung von Krankheiten – wenn sich bereits Ama angesammelt hat – darin, dem Körper bei der Ausscheidung der abgelagerten Giftstoffe zu helfen.“

Typische Ama-Erkrankungen sind Rheuma, Arthrose (nicht zwingend), Asthma, Herz-Kreislauf, Nebenhöhlen, Binde- und Muskelgewebe (Faszien) und Verdauungsstörungen.

Was ist Ama

Ama ist alles Unreife, Un- oder Halbverdaute und wird auch als unverdaute Stoffwechselrückstände, Verdauungsschlacken, Schlacken oder Verdauungsmüll bezeichnet.

Wie entsteht Ama

Ama bildet sich durch ein zu schwaches Agni: Unser Stoffwechsel ist schlichtweg überfordert. Entweder weil er sowieso schwach ist, oder weil wir ihm zu viel zumuten. Lest hierzu auch meinen Blogbeitrag zu unverträglichen Nahrungsmittelkombinationen: Obst mit Milch ist eine klassische Kombi, die Ama erzeugt, wie auch zu viel Rohkost, unreifes Obst, sehr kalte, schwere, belastete Nahrung und Getränke oder einfach zu viel des Guten 🙂

Doch auch die Psyche spielt hier eine Rolle: Sind wir mental nicht gut drauf, hat das Auswirkungen auf unser Verdauungsfeuer. Stress spielt hier eine ebenso große Rolle wie negative Gedanken, Depressionen oder Sorgen und Ängste. Viele merken auch, dass auf Reisen die Verdauung auch erstmal Ihre Zeit braucht, um anzukommen.

Auch bereits bestehende Krankheiten können Agni schwächen, ebenso Umweltgifte, Medikamente oder einfach, wenn wir etwas zur falschen Tageszeit essen: abends noch ein reichhaltiges, schweres Essen beispielsweise wird sehr wahrscheinlich Ama bilden.

Die Beschaffenheit von Ama

Ama kann man sich folgendermaßen vorstellen: Eine kalte, feuchte, schwere, dicke, klebrige, trübe, schleimige Masse. Hiermit ist es Kapha sehr ähnlich. Kapha jedoch ist für uns lebenswichtig und sorgt für Stabilität und Befeuchtung in unserem Körper – Ama verklebt, verdrängt und belastet ihn hingegen.

Symptome für Ama im Körper:

  • Appetitlosigkeit
  • Verdauungsstörungen
  • Mundgeruch
  • Dicker, weißlicher Zungenbelag
  • Starker Auswurf von Schleim oder Speichel
  • Müdigkeit
  • Energie- und Kraftlosigkeit – auch mental
  • Schleimiger Stuhl
  • Steifheit
  • Schwere
  • Schmerzen

Ama: So reinigen wir uns 

Unser Körper ist meist selbst in der Lage, normale Mengen an Ama zu verbrennen. Zum Glück, denn wir alle produzieren es tagtäglich. Aber wenn sich bereits ein Übermaß an Ama angesammelt hat, die Symptome stark sind und das Ama vielleicht sogar schon zu Krankheiten geführt hat, muss es aktiv entfernt werden. Dies geschieht traditionell durch eine Panchakarma-Kur. Wörtlich übersetzt heißt das: Fünf Handlungen. Vor oder begleitend zur Kur wird meist eine Fastenkur gemacht, damit das Ama, das es auszuleiten gilt, verbrannt wird – denn: Fasten verbrennt Ama. Komplettes Fasten ist jedoch nur für Kapha zu empfehlen, bei Vata (schwächt) und Pitta (übersäuert) muss trotzdem leichte Kost gegessen werden. Hierzu später mehr in einem noch folgenden Artikel zu Heilsuppen und Schonkost.

Es gibt Kräuter, die die Eigenschaft besitzen, Ama zu verbrennen und Agni zu steigern. Die Fachbegriffe hierfür sind Pachana: Ama-verbrennend und Dipana: Agni-Steigernd. Viele Substanzen sind Dipana und Pachana zugleich, beispielsweise Koriander, Kümmel, schwarzer Pfeffer, Dill, Pfeffer, Bockshornklee, Fenchel, Ingwer oder Nelken.

Panchakarma-Kur – die „fünf Handlungen“ in Kürze

Eine Panchakarma-Kur besteht aus drei Phasen: Ansammeln, Ausscheiden, Aufbauen. Für die erste Phase setzt man zunächst innere (Ghee trinken) und äußere Ölanwendungen (Öl-Massagen) an. Durch das Öl werden die Kanäle des Körpers geschmeidig gemacht, damit das klebrige Ama leichter abtransportiert werden, und sich auf dem Weg nirgends festsetzen kann. Zudem bindet es das Ama und macht es transportfähig: Es wird aus dem Tiefengewebe nach oben „gespült“ und sammelt sich dann in Magen und Darm, von wo aus es dann im nächsten Schritt entfernt werden kann.

Die Ausscheidung erfolgt normalerweise nach drei bis sieben Tagen, wofür es verschiedene Methoden gibt – abhängig davon, wo das Ama sitzt. Erbrechen (Vamana) wird bei übermäßigem Kapha-Ama eingesetzt, Abführen (Virechana) bei Pitta-Ama und Einläufe (Basti) bei Vata-Ama. Beim Naseneinlauf (Nasya) werden Ama-Ansammlungen aus dem Kopfbereich entfernt, die fünfte Methode ist die Blutreinigung, durch Aderlass oder Kräuter.

Nach Ansammlung und Ausscheidung folgt der Aufbau, der vor allem eines beinhaltet: Das Agni stärken!  Auch die Ernährung spielt hier eine große Rolle, je nach Dosha-Typ wird vorbereitend gefastet oder zumindest nur leichte Kost gegessen, auch während und direkt nach der Kur.

Ama und Agni

Wie oben bereits erwähnt entsteht Ama durch ein zu schwaches Agni. Mit die wichtigste Maßnahme ist also, unser Agni zu stärken und zu regulieren, damit wir unsere Nahrung wieder vollständig verdauen können. Denn jede Agni-Therapie wirkt Ama-reduzierend.

Agni spaltet Nahrung auf, transportiert, nährt und entsorgt Abfallprodukte (Malas: Schweiß, Urin, Stuhl) – ist also für unser Gewebe essenziell wichtig. Kurz gesagt: Bekommt dieses kein oder nur schlechtes „Futter“, verkümmert es und kann sich nicht gesund erneuern (einige unserer Zellen erneuern sich sekündlich!). Das ist auch der Grund, weshalb sich viele Krankheiten schleichend und unbemerkt entwickeln, denn das passiert nicht von heute auf morgen. Aber irgendwann macht es sich bemerkbar.

Ein Zeichen für ein schwaches Agni bzw. die schlechte Aufschlüsselung von Nahrung ist, wenn Ihr nach dem Essen großen Hunger auf was Süßes habt. Was da unterstützend helfen kann: Trinkt vor dem Essen etwas Zitronensaft mit Steinsalz und (frischem) Ingwer.

Um das Agni zu stärken, helfen bittere und scharfe Gewürze, die man je nach Dosha einsetzen kann. Bitter erhöht Vata und ist deshalb nur mit Fett einzusetzen. Für Pitta und Kapha ist alles Bittere sehr gut geeignet – es wirkt reduzierend auf beide Doshas.

Bei einer Pitta-Störung sind beispielsweise scharfe Dinge kontraindiziert, für Kapha jedoch ideal. Wegen seiner austrocknenden Eigenschaft sollte auch Scharfes für Vata stets mit Fett kombiniert werden: So kann man beispielsweise im Essen Chili mit Ghee anrösten. Pitta stärkt sein Agni mit Pippali (langer Pfeffer), welcher als einziger Pfeffer nicht das Pitta-Dosha erhöht.

Um das Agni zu stärken ist ebenfalls auf leicht verdauliche, warme und gekochte Speisen statt kalter, roher und schwerer zu achten.

Morgens könnt Ihr Euer Agni entfachen zum Beispiel mit einem warmen Ingwerwasser oder Trikatu mit Honig entfachen. Hilfreich ist es auch, Agni-anregende Gewürze in den Speiseplan zu integrieren: Dazu gehören zum Beispiel Ingwer, Kreuzkümmel, Senfsamen, Pfeffer, Hing, Salz und Tamarinde.

Zwischen 11-13 Uhr ist Euer Agni am höchsten – hier solltet Ihr die Hauptmahlzeit zu Euch nehmen. Achtet darauf, Euren Magen nur zu 2/3 zu füllen und die Mahlzeit mit etwas bitterem oder herben abzuschließen, das lässt Eure Verdauung starten. Wichtig ist auch, zu den Mahlzeiten Nichts, auf jeden Fall nichts Kaltes, zu trinken – dass löscht Euer Verdauungsfeuer. Langsam essen und gute kauen ist ebenfalls wichtig, genauso wie nicht unter Stress zu essen – das stresst auch eure Verdauung und sie kann nicht effektiv arbeiten. Das könnt Ihr ja auch nicht, wenn Ihr gestresst seid 🙂

Besonders abends ist darauf zu achten, keine kalten, Srota-blockierenden Speisen zu essen (Rohkost, Milchprodukte, Fleisch, Alkohol, Fettes usw.), denn über Nacht wird Eure Nahrung zerlegt und die Nährstoffe werden zum jeweiligen Gewebe transportiert. Diese so wichtige Funktion wird gestört, wenn Euer Agni nicht arbeitet.

Pippali-Trepppenkur: Ama-lösen und Agni-stärken

Pippali eignet sich insbesondere auch für Pitta gut zum Ama-lösen und Agni-steigern. Empfohlen wird hier eine Pippali-Treppenkur: Man nimmt jeden Tag morgens und abends Pippali zu sich und steigert die Dosis, nimmt dann bis zu 5 Tage die Höchstdosis und geht dann langsam wieder runter. Danach folgt eine 3-5-tägige Phase, in der nur Schonkost wie beispielsweise Khichari gegessen wird, um dann das Ama mit einem Abführtag auszuleiten.

Generell wird alles, was man mit Pippali einnimmt, in der Wirkung verstärkt. Auf Dauer ist die Wirkung jedoch zu stark und Agni-anregend. Deshalb sollte Pippali nicht über Monate in großen Mengen als Therapeutikum eingesetzt werden.

Wenn man jedoch Kurkuma oder ein anderes Gewürz zwecks Heilwirkung zu sich nimmt, empfiehlt es sich, eine Prise Pippali hinzuzufügen.